InvestImmo.de

Nebenkostenabrechnung prüfen: die Checkliste vor dem Versand

Kevin Celentano · 2026-10-13

Was eine Prüfung vor dem Versand bringt
5
Prüfdurchgänge
Form, Positionen, Plausibilität, Zahlen, Versand
−630 €
im Beispiel
Nachzahlung nach der Prüfung statt 974 € nur 344 €
2,67 €
je m² und Monat
Durchschnitt laut Betriebskostenspiegel 2024
12 Monate
Einwendungsfrist
so lange kann Ihr Mieter Fehler rügen

Die Abrechnung ist fertig. Die Tabelle stimmt, die Summe auch, und der Umschlag liegt bereit. Bevor Sie ihn abschicken, lohnt eine Stunde mit einem anderen Blick: dem Ihres Mieters.

Mieter prüfen Nebenkostenabrechnungen heute genauer als früher. Mietervereine bieten Prüfungen an, im Netz gibt es Checklisten und Rechner. Jeder Fehler, den Ihr Mieter findet, kostet Sie Geld, Zeit oder im schlimmsten Fall die ganze Nachzahlung.

Dieser Ratgeber ist die Prüfliste für die fertige Abrechnung. Wie Sie sie erstellen, steht im Ratgeber Betriebskostenabrechnung erstellen. Welche Kosten Sie umlegen dürfen, erklärt der Ratgeber Umlagefähige Nebenkosten nach BetrKV. Hier geht es um die Kontrolle danach.

01Warum Vermieter vor dem Versand prüfen sollten

Ein Fehler in der Nebenkostenabrechnung hat je nach Art ganz unterschiedliche Folgen. Fehlt eine Pflichtangabe, ist die Abrechnung formell unwirksam und die Frist läuft weiter, als hätten Sie nichts geschickt (BGH VIII ZR 115/04). Ist eine Position falsch, fällt sie heraus. Korrigieren dürfen Sie zu Ihren Gunsten nur, solange die Abrechnungsfrist läuft.

Ihr Mieter hat dagegen zwölf Monate ab Zugang Zeit, Einwände zu erheben (§ 556 Abs. 3 Satz 5 BGB). Das gilt auch für den Einwand, eine Kostenart sei gar nicht vereinbart (BGH VIII ZR 279/06). Die Zeit arbeitet also für ihn.

FehlerartBeispielFolge für Sie
formellUmlageschlüssel fehlt, Vorauszahlungen nicht abgezogenAbrechnung unwirksam, nach Fristende keine Nachzahlung
nicht umlagefähigVerwaltervergütung, Rücklage, ReparaturPosition fällt heraus
nicht vereinbartsonstige Betriebskosten ohne Nennung im VertragPosition fällt heraus, wenn der Mieter rechtzeitig rügt
RechenfehlerSoll- statt Ist-VorauszahlungenKorrektur zu Ihren Gunsten nur innerhalb der Frist
unwirtschaftlichüberteuerter HausmeistervertragMieter kann Kürzung verlangen (§ 556 Abs. 3 Satz 1 BGB)

02Durchgang 1: Form

Der erste Durchgang dauert fünf Minuten und schützt vor dem teuersten Fehler. Prüfen Sie nur, ob die vier Pflichtangaben des Bundesgerichtshofs vollständig da sind (BGH VIII ZR 93/15).

  • Gesamtkosten je Kostenart
  • Umlageschlüssel, wo nötig erläutert
  • Anteil des Mieters je Kostenart
  • Abzug der Vorauszahlungen

Dazu oben Abrechnungszeitraum, Wohnung und Name des Mieters. Was jede Angabe genau bedeutet, steht im Ratgeber Betriebskostenabrechnung erstellen.

03Durchgang 2: Positionen

Legen Sie jetzt den Mietvertrag neben die Abrechnung und gehen Sie Zeile für Zeile durch. Zwei Fragen pro Position genügen: Ist sie im Vertrag vereinbart? Ist sie nach der Betriebskostenverordnung umlagefähig?

Diese Positionen fliegen am häufigsten herausGrund
Verwaltervergütung, Kontoführung, Porto der VerwaltungVerwaltungskosten (§ 1 Abs. 2 Nr. 1 BetrKV)
Erhaltungsrücklage, Reparaturen, Wartung mit ReparaturanteilInstandhaltung (§ 1 Abs. 2 Nr. 2 BetrKV)
Miete für Rauchwarnmelderwie Anschaffungskosten (BGH VIII ZR 379/20)
Kabel-TV-Grundgebührenseit 01.07.2024 nicht mehr umlagefähig
sonstige Betriebskosten ohne Einzelnennung im Vertragkeine Vereinbarung
Hauswartkosten mit Anteil für Reparaturen oder Verwaltungnur der reine Hauswartanteil ist umlagefähig

Besonders bei Eigentumswohnungen lohnt dieser Durchgang. Die Hausgeldabrechnung mischt umlagefähige und nicht umlagefähige Kosten, und mancher Verwalter trennt sie nicht sauber. Ein Blick auf die Leistungsbeschreibung des Hausmeisterdienstes zeigt oft, ob darin Kleinreparaturen stecken.

04Durchgang 3: Plausibilität

Jetzt kommt der Teil, den die meisten Vermieter überspringen. Legen Sie die Abrechnung des Vorjahres daneben. Jede Position, die um mehr als etwa 10 % gestiegen ist, braucht eine Erklärung. Ihr Mieter wird genau danach fragen.

Vorjahresvergleich im Beispiel
Position20242025Veränderung
Grundsteuer186,00 €263,00 €+41 %
Gebäudeversicherung272,00 €305,00 €+12 %
Wasser und Abwasser490,00 €520,00 €+6 %
Hauswart150,00 €230,00 €+53 %
Heizung und Warmwasser960,00 €1.000,00 €+4 %
Werte des Mieteranteils. Beispielzahlen, eigene Berechnung, Stand 13.10.2026.

Drei Positionen fallen auf. Die Grundsteuer ist durch den neuen Bescheid nach der Grundsteuerreform gestiegen, das ist erklärbar und gehört so in die Abrechnung. Die Versicherung hat ihren Beitrag angepasst. Beim Hauswart dagegen sollten Sie nachfassen. Ein Sprung um die Hälfte deutet auf einen neuen Vertrag hin, und darin können Leistungen stecken, die nicht umlagefähig sind.

Ein zweiter Maßstab ist der Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbunds. Für das Abrechnungsjahr 2024 lagen die Betriebskosten im Schnitt bei 2,67 € je Quadratmeter und Monat, bei allen denkbaren Kostenarten bei bis zu 3,68 €. Liegt Ihre Abrechnung deutlich darüber, sollten Sie die Gründe kennen, bevor der Mieter fragt.

05Durchgang 4: Zahlen

Im vierten Durchgang geht es um die Zahlen, die nicht aus Rechnungen kommen, sondern aus Ihren eigenen Unterlagen. Hier entstehen die meisten Rechenfehler.

  • Vorauszahlungen: Ziehen Sie ab, was tatsächlich gezahlt wurde, nicht was vereinbart war. Haben Sie die Vorauszahlung im Jahr angepasst, rechnen Sie beide Beträge.
  • Fläche: Maßgeblich ist die tatsächliche Wohnfläche, nicht die im Mietvertrag. Eine frühere Toleranz von 10 % gilt für die Betriebskosten nicht mehr (BGH, Urteil vom 30.05.2018, VIII ZR 220/17).
  • Zeitraum: höchstens zwölf Monate, bei Mieterwechsel nur die Mietzeit des jeweiligen Mieters.
  • Personen: Bei Umlage nach Personen die tatsächliche Zahl je Monat, nicht die beim Einzug.
  • Leerstand: Der Anteil leerer Wohnungen bleibt beim Vermieter (BGH VIII ZR 159/05).
  • Grundsteuer: Kam ein Bescheid rückwirkend, dürfen Sie die Erhöhung in der Regel nur nachfordern, wenn Sie sie binnen drei Monaten nach Kenntnis geltend machen (BGH VIII ZR 220/05).

06Durchgang 5: Versand

Der letzte Durchgang klingt banal und kostet trotzdem jedes Jahr Vermieter ihre Nachzahlung. Entscheidend ist, dass die Abrechnung dem Mieter zugeht, und zwar bis zum Ende des zwölften Monats nach dem Abrechnungszeitraum. Für 2025 ist das der 31.12.2026.

So geht die Abrechnung sauber raus
  1. 01
    Anlagen beilegen

    Die Heizkostenabrechnung des Messdienstes mit CO2-Ausweis gehört dazu. Ohne CO2-Ausweis darf der Mieter die Heizkosten um 3 % kürzen (§ 7 Abs. 4 CO2KostAufG).

  2. 02
    Belege vorbereiten

    Der Mieter darf die Belege einsehen, seit 2025 dürfen Sie sie elektronisch bereitstellen (§ 556 Abs. 4 BGB). Solange Sie berechtigte Einsicht verweigern, muss er nicht nachzahlen (BGH VIII ZR 189/17).

  3. 03
    Vorauszahlung anpassen

    Wenn nötig, legen Sie die Anpassung nach § 560 Abs. 4 BGB in Textform gleich bei.

  4. 04
    Zugang nachweisen

    Ein einfacher Brief beweist den Zugang nicht (BGH VIII ZR 107/08). Ein Bote mit Protokoll oder die persönliche Übergabe mit Empfangsbestätigung lassen sich belegen.

  5. 05
    Puffer einplanen

    Schicken Sie spätestens Anfang Dezember, nicht am 30.12.

07Beispielprüfung: aus 974 € werden 344 €

Frau Yilmaz vermietet eine Eigentumswohnung mit 68 m². Ihr erster Entwurf der Abrechnung für 2025 endet mit einer Nachzahlung von 974 €. Sie prüft ihn mit den fünf Durchgängen. Frau Yilmaz und alle Zahlen sind ausgedacht, die Rechnung ist ein Beispiel und keine Prognose.

Entwurf und geprüfte Fassung im Vergleich
PositionEntwurfgeprüft
Umlagefähige Betriebskosten inkl. Heizung2.924,00 €2.924,00 €
Verwaltervergütung aus dem Hausgeld312,00 €–
Kabel-TV-Grundgebühr108,00 €–
Miete Rauchwarnmelder30,00 €–
Summe Betriebskosten3.374,00 €2.924,00 €
Vorauszahlungen−2.400,00 €−2.580,00 €
Nachzahlung des Mieters974,00 €344,00 €
Vorauszahlung im Entwurf 12 × 200 €, tatsächlich gezahlt 6 × 200 € und nach einer Anpassung 6 × 230 €. Eigene Berechnung, Stand 13.10.2026.

Vier Fehler in einer Abrechnung, das ist nicht ungewöhnlich. Drei davon stammen aus der Hausgeldabrechnung, die ungeprüft übernommen wurde. Der vierte ist ein klassischer Rechenfehler: die Vorauszahlung nach Vertrag statt nach Kontoauszug.

Woraus sich die 630 € Unterschied zusammensetzen
Verwaltervergütung
−312 €
Vorauszahlungen falsch abgezogen
−180 €
Kabel-TV
−108 €
Rauchwarnmelder-Miete
−30 €
Zusammen 630 € weniger Nachzahlung als im Entwurf.

Was hätte der Versand des Entwurfs gekostet? Rügt der Mieter die Fehler, fallen die Positionen heraus, und Frau Yilmaz verliert Zeit und Vertrauen. Die Korrektur der Vorauszahlungen wirkt hier zugunsten des Mieters und ist ohnehin geschuldet. Wichtiger ist etwas anderes: Ein Mieter, der in der ersten Abrechnung vier Fehler findet, prüft die nächste noch gründlicher.

08Besonderheiten der Abrechnung 2025

Die Abrechnung für 2025, die bis Ende 2026 beim Mieter sein muss, hat drei Besonderheiten.

ThemaWas sich geändert hatWas Sie prüfen
Grundsteuerseit 01.01.2025 nach neuen Grundsteuerwertenneuen Bescheid ansetzen, Erhöhung erklären können, siehe Grundsteuer
Kabel-TVGrundgebühren seit 01.07.2024 nicht mehr umlagefähig2025 dürfen sie gar nicht mehr erscheinen
CO2-KostenAufteilung nach Stufenmodell seit 2023Ausweis in der Heizkostenabrechnung, Vermieteranteil abgezogen
ZählerNachrüstpflicht für nicht fernablesbare Geräte bis 31.12.2026Stand beim Messdienst oder Verwalter klären, sonst droht ab 2027 eine Kürzung um 3 %

Die Heizkosten haben eigene Regeln. Wie Grundkosten, Warmwasser und CO2-Anteil berechnet werden, steht im Ratgeber Heizkostenabrechnung für Vermieter.

09Risiken und Grenzen der eigenen Prüfung

Eine Prüfung mit dieser Liste fängt die meisten Fehler einer einzelnen Wohnung ab. Sie hat Grenzen. Rechenfehler des Messdienstes oder falsche Verteilungen in der Hausgeldabrechnung erkennen Sie nur, wenn Sie die Unterlagen der Gemeinschaft im Detail ansehen. Und bei gemischt genutzten Häusern mit Gewerbe kommen Fragen zur Vorabtrennung von Kosten hinzu, die eine einfache Liste nicht beantwortet.

Rechnen Sie außerdem ehrlich mit Ihrer Zeit. Eine gründliche Prüfung kostet bei einer Wohnung ein bis zwei Stunden im Jahr. Bei mehreren Wohnungen kann eine Mietverwaltung günstiger sein, als es zunächst aussieht.

Selbst prüfen reicht
  • eine oder wenige Wohnungen ohne Gewerbe im Haus
  • klar gegliederte Hausgeldabrechnung mit getrennten Positionen
  • keine Mieterwechsel im Jahr
Hilfe holen lohnt sich
  • der Mieter hat schon frühere Abrechnungen gerügt
  • deutliche Kostensprünge ohne erkennbaren Grund
  • Gewerbe im Haus oder mehrere Mieterwechsel

Weiterlesen

Quellen

Gesetzestexte abgerufen am 29.09.2026, Betriebskostenspiegel und BGH VIII ZR 220/17 am 13.10.2026.

  • § 556 BGB (Abrechnung, Fristen, Wirtschaftlichkeit, Belegeinsicht)
  • § 556a BGB (Umlageschlüssel)
  • § 560 BGB (Anpassung der Vorauszahlungen)
  • Betriebskostenverordnung (§§ 1, 2)
  • Heizkostenverordnung (§§ 5, 12) und CO2-Kostenaufteilungsgesetz (§ 7)
  • BGH, Urteil vom 20.01.2016, VIII ZR 93/15 (formelle Mindestangaben)
  • BGH, Urteil vom 17.11.2004, VIII ZR 115/04 (formelle und inhaltliche Fehler)
  • BGH, Urteil vom 31.05.2006, VIII ZR 159/05 (Leerstand)
  • BGH, VIII ZR 220/05 (Nachforderung nach rückwirkender Erhöhung)
  • BGH, Urteil vom 10.10.2007, VIII ZR 279/06 (Einwendungsfrist)
  • BGH, Urteil vom 21.01.2009, VIII ZR 107/08 (Zugang)
  • BGH, Urteil vom 07.02.2018, VIII ZR 189/17 (Belegeinsicht, Fälligkeit)
  • BGH, Urteil vom 30.05.2018, VIII ZR 220/17 (tatsächliche Wohnfläche)
  • BGH, Urteil vom 11.05.2022, VIII ZR 379/20 (Miete für Rauchwarnmelder)
  • Deutscher Mieterbund, Betriebskostenspiegel für das Abrechnungsjahr 2024
  • Beispielprüfung: eigene Berechnung, Stand 13.10.2026

FAQHäufige Fragen

Wie prüfe ich als Vermieter meine Nebenkostenabrechnung?

Am besten in fünf Durchgängen: Pflichtangaben vollständig, nur vereinbarte und umlagefähige Positionen, Vergleich mit dem Vorjahr, richtige Zahlen bei Vorauszahlungen und Fläche, nachweisbarer Versand vor Fristende. Legen Sie dafür Mietvertrag, Vorjahresabrechnung und Kontoauszüge neben die Abrechnung.

Welche Fehler kommen in Nebenkostenabrechnungen am häufigsten vor?

Nicht umlagefähige Kosten aus der Hausgeldabrechnung, etwa Verwaltervergütung oder Rücklage, vereinbarte statt tatsächlich gezahlter Vorauszahlungen, Kabel-TV-Gebühren nach dem 30.06.2024 und die Miete für Rauchwarnmelder. Dazu kommen fehlende CO2-Ausweise in der Heizkostenabrechnung.

Ab welcher Steigerung muss ich eine Position erklären?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Als Faustregel sollten Sie jede Position, die um mehr als etwa 10 % gestiegen ist, begründen können. Erklärungen wie ein neuer Grundsteuerbescheid oder eine Beitragsanpassung der Versicherung lassen sich mit Belegen zeigen.

Welche Wohnfläche gilt in der Nebenkostenabrechnung?

Die tatsächliche Wohnfläche. Weicht die Fläche im Mietvertrag ab, ist für die Umlage die wirkliche Größe maßgeblich, auch wenn die Abweichung unter 10 % liegt (BGH VIII ZR 220/17).

Darf ich eine bereits verschickte Abrechnung korrigieren?

Ja. Zu Ihren Gunsten aber nur, solange die Abrechnungsfrist läuft, für 2025 also bis zum 31.12.2026. Korrekturen zugunsten des Mieters sind jederzeit möglich und bei einem Fehler auch geboten.

Wie lange kann der Mieter Fehler rügen?

Zwölf Monate ab Zugang einer formell ordnungsgemäßen Abrechnung. Danach sind Einwände grundsätzlich ausgeschlossen, auch der Einwand, eine Kostenart sei im Mietvertrag nicht vereinbart.

Muss ich die Belege mitschicken?

Nein. Der Mieter kann sie auf Verlangen einsehen, seit 2025 dürfen Sie sie elektronisch bereitstellen. Die Heizkostenabrechnung des Messdienstes sollte aber beiliegen, weil sich der Anteil des Mieters sonst nicht nachvollziehen lässt.