Renditeimmobilie: Was sie ausmacht und welche Kennzahlen zählen
Romolo Marini · 2026-10-13
Ein Exposé landet in Ihrem Postfach. „Renditeimmobilie“ steht oben, darunter eine Prozentzahl, vielleicht 4,5 oder 5 %. Klingt ordentlich. Aber was genau ist da eigentlich ausgerechnet worden, und was fehlt?
Der Begriff ist nicht geschützt. Jeder Verkäufer kann eine vermietete Wohnung so nennen, und jede Prozentzahl kann anders berechnet sein. Wer eine Renditeimmobilie prüfen will, braucht deshalb ein paar eigene Kennzahlen.
Wir erklären die vier wichtigsten und rechnen sie an zwei Wohnungen durch. Dabei zeigt sich auch, warum die höhere Rendite nicht automatisch die bessere Wahl ist.
01Was ist eine Renditeimmobilie?
Eine Renditeimmobilie, oft auch Anlageimmobilie oder Renditeobjekt genannt, ist eine Immobilie als Kapitalanlage. Sie gehört Ihnen, jemand anderes nutzt sie und zahlt dafür Miete. Das Gegenstück ist die selbst genutzte Immobilie, bei der Sie Miete sparen, aber keine einnehmen.
Steuerlich ist der Unterschied groß. Bei einer vermieteten Immobilie sind Zinsen, Verwaltungskosten, Reparaturen und die Abschreibung des Gebäudes Werbungskosten. Bei einer selbst genutzten Wohnung sind sie das nicht.
| Art | Was Sie kaufen | Typische Besonderheit |
|---|---|---|
| Eigentumswohnung | eine Wohnung in einer Eigentümergemeinschaft | überschaubarer Kaufpreis, Hausgeld, Entscheidungen der Gemeinschaft |
| Mehrfamilienhaus | ein ganzes Haus mit mehreren Wohnungen | mehrere Mieter verteilen das Leerstandsrisiko, höherer Kaufpreis, Sie entscheiden allein |
| Wohn- und Geschäftshaus | Wohnungen und Gewerbe unter einem Dach | Gewerbemieten folgen anderen Regeln und Konjunkturen |
| Pflegeapartment | eine Einheit in einer Pflegeeinrichtung | Mieter ist ein Betreiber, nicht der Bewohner; Sie tragen das Betreiberrisiko |
Für die meisten Privatanleger beginnt der Weg mit einer vermieteten Eigentumswohnung. Die Kennzahlen funktionieren aber für alle Arten gleich.
02Die vier Kennzahlen einer Renditeimmobilie
1. Kaufpreisfaktor
Der Kaufpreisfaktor sagt, wie viele Jahreskaltmieten Sie für die Immobilie bezahlen. Er ist die schnellste Prüfung, ob ein Preis zur Miete passt.
Kaufpreisfaktor = Kaufpreis ÷ Jahreskaltmiete
Eine Wohnung für 200.000 € mit 8.000 € Jahreskaltmiete hat den Faktor 25. Je höher der Faktor, desto teurer kaufen Sie jeden Euro Miete ein. Einen festen guten Wert gibt es nicht. Vergleichen Sie den Faktor mit ähnlichen Wohnungen in derselben Lage, nicht mit Durchschnittswerten für ganz Deutschland.
2. Bruttomietrendite
Die Bruttomietrendite ist der Kehrwert des Faktors, in Prozent. Sie steht in fast jedem Exposé.
Bruttomietrendite = Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis × 100
Bei 200.000 € Kaufpreis und 8.000 € Miete sind das 4,0 %. Die Zahl lässt alles weg, was Geld kostet: Kaufnebenkosten, nicht umlagefähiges Hausgeld, Rücklagen, Leerstand. Sie taugt deshalb nur zum ersten Sortieren.
„Die 3,2 % sind die reine Mietrendite ohne Finanzierung, also Miete durch Kaufpreis?“
So hat ein Interessent in einem unserer Gespräche nachgefragt, und genau so sollten Sie bei jeder Prozentzahl fragen. Meistens ist es die Bruttomietrendite. Was nach Kosten übrig bleibt, ist deutlich weniger.
3. Nettomietrendite
Die Nettomietrendite rechnet ehrlicher. Sie zieht von der Miete ab, was Sie selbst tragen, und teilt durch den Preis einschließlich Kaufnebenkosten.
Nettomietrendite = (Jahreskaltmiete − nicht umlagefähige Kosten − Leerstandspuffer) ÷ (Kaufpreis + Kaufnebenkosten) × 100
Nicht umlagefähig sind bei einer Eigentumswohnung vor allem die Verwaltung der Gemeinschaft, die Zuführung zur Erhaltungsrücklage und Reparaturen in Ihrer Wohnung (§ 1 Abs. 2 BetrKV). Welche Kosten Sie an den Mieter weitergeben dürfen, erklärt unser Glossar zu umlagefähigen Nebenkosten.
4. Cashflow
Der Cashflow ist die Zahl, die Sie jeden Monat auf Ihrem Konto spüren. Er zieht von der Miete alle Kosten und die Kreditrate ab.
Cashflow vor Steuern = Kaltmiete − nicht umlagefähige Kosten − Leerstandspuffer − Zinsen − Tilgung
Die Tilgung gehört in diese Rechnung, weil das Geld Ihr Konto verlässt. Sie ist aber kein Verlust, denn sie baut Ihre Schulden ab. Nach Steuern kommt die Steuerwirkung dazu, die von Ihrem Einkommen abhängt.
Wie rechnet sich Ihr Objekt? Geben Sie Kaufpreis, Miete und Kosten ein und sehen Sie Brutto- und Nettomietrendite auf einen Blick.
03Beispielrechnung: zwei Wohnungen im Vergleich
Nehmen wir zwei vermietete Eigentumswohnungen, beide Baujahr 1995. Die eine liegt in einer Großstadt in Hessen, die andere in einer Mittelstadt in Niedersachsen. Beide Wohnungen sind ausgedacht, die Zahlen sind ein Rechenbeispiel und keine Prognose.
Der Käufer, nennen wir ihn Daniel, ist ledig und hat ein zu versteuerndes Einkommen von 80.000 €. Er würde jeweils den Kaufpreis komplett finanzieren, zu 3,8 % Zins und 1,5 % Tilgung, und die Kaufnebenkosten selbst zahlen.
| Wohnung A, Großstadt | Wohnung B, Mittelstadt | |
|---|---|---|
| Kaufpreis | 400.000 € | 150.000 € |
| Kaltmiete im Monat | 1.100 € | 650 € |
| Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch) | 30.400 € | 9.900 € |
| Nicht umlagefähige Kosten im Monat (Hausgeld-Anteil und eigene Rücklage) | 190 € | 150 € |
| Kaufpreisfaktor | 30,3 | 19,2 |
| Bruttomietrendite | 3,30 % | 5,20 % |
| Nettomietrendite | 2,45 % | 3,61 % |
Eigene Berechnung, Stand 13.10.2026.
Schon die Nettomietrendite zeigt, wie viel zwischen Exposé und Wirklichkeit liegt. Bei Wohnung A schrumpft die Rendite von 3,30 % auf 2,45 %, bei Wohnung B von 5,20 % auf 3,61 %. Beide liegen unter dem angenommenen Kreditzins von 3,8 %. Daraus folgt der Cashflow.
| Wohnung A | Wohnung B | |
|---|---|---|
| Kaltmiete nach Leerstandspuffer | 1.067 € | 631 € |
| Nicht umlagefähige Kosten | −190 € | −150 € |
| Zinsen (3,8 %) | −1.258 € | −472 € |
| Tilgung (1,5 %) | −509 € | −191 € |
| Cashflow vor Steuern | −890 € | −182 € |
| Steuerersparnis | +385 € | +71 € |
| Cashflow nach Steuern | −505 € | −111 € |
Eigene Berechnung, Stand 13.10.2026. Zins und Mieten sind Annahmen.
Wohnung A kostet Daniel vor Steuern fast fünfmal so viel im Monat wie Wohnung B. Nach Steuern sind es immer noch rund 505 € gegenüber 111 €. Ist Wohnung B also die bessere Renditeimmobilie?
Nicht unbedingt. Die höhere Rendite ist oft der Preis für ein höheres Risiko. In einer kleineren Stadt findet sich bei einem Auszug womöglich schwerer ein neuer Mieter. Die Nachfrage kann sinken, wenn Arbeitgeber wegziehen oder die Bevölkerung schrumpft. Dazu ist das Haus häufig älter oder schlichter ausgestattet. Umgekehrt kann eine Großstadt-Wohnung leichter wieder vermietet werden, kostet dafür aber jeden Monat deutlich mehr. Beides sind legitime Entscheidungen, wenn Sie sie bewusst treffen.
„8.000 € Miete im Jahr bei 250.000 € Investition ist ein Witz.“
Das sagte ein Interessent, nachdem er nachgerechnet hatte, und rechnerisch sind das 3,2 % brutto. Er hat recht, dass sich eine solche Wohnung vor Steuern nicht trägt. Ob sie trotzdem passt, hängt davon ab, was man von ihr erwartet: laufende Einnahmen oder langfristigen Schuldenabbau in einer gefragten Lage.
04Was die Kennzahlen nicht zeigen
Alle vier Kennzahlen rechnen mit der Miete von heute. Sie sagen nichts darüber, ob diese Miete morgen noch zu erzielen ist und was das Haus in fünf Jahren braucht. Dafür müssen Sie hinsehen.
„Wie sehe ich, dass das der Wert ist und ich nicht zu viel bezahle?“
Eine gute Frage, auf die es keine einzelne Kennzahl gibt. Hilfreich sind Vergleichsangebote ähnlicher Wohnungen in derselben Lage, der Bodenrichtwert, ein Wertgutachten und der Blick in die Unterlagen der Eigentümergemeinschaft. Banken bewerten die Wohnung außerdem selbst, bevor sie finanzieren.
- 01Miete im Vergleich zum Markt
Liegt die Miete deutlich über der ortsüblichen Vergleichsmiete, ist sie bei einem Mieterwechsel womöglich nicht wieder zu erzielen. Liegt sie darunter, dürfen Sie nur schrittweise erhöhen.
- 02Lage und Nachfrage
Arbeitgeber, Verkehrsanbindung und Bevölkerungsentwicklung entscheiden, ob Sie in zehn Jahren noch einen Mieter finden.
- 03Zustand und Rücklage
Protokolle der Eigentümerversammlungen und der Stand der Erhaltungsrücklage zeigen, ob teure Sanierungen anstehen.
- 04Mieter und Mietvertrag
Pünktliche Zahlung, Kaution, Indexmiete oder Staffel, letzte Erhöhung. Den Vertrag übernehmen Sie beim Kauf.
- 05Ihre eigene Lage
Eine Zuzahlung muss in Ihr Budget passen, auch wenn der Zins nach der Zinsbindung steigt oder der Mieter auszieht.
Wer tiefer in die Bewertung einsteigen will: Banken und Gutachter ermitteln den Wert vermieteter Immobilien oft im Ertragswertverfahren, also aus der nachhaltig erzielbaren Miete. Der Verkehrswert kann deshalb vom Angebotspreis abweichen.
05Risiken: Worauf Sie bei einer Renditeimmobilie achten sollten
- Leerstand und Mietausfall: Zieht der Mieter aus, fehlt die ganze Miete. Im Beispiel A wären das bei drei Monaten ohne Mieter rund 3.300 € Miete plus das volle Hausgeld.
- Zinsänderung: Nach der Zinsbindung wird die Restschuld neu finanziert. Bei Wohnung A kostet ein Prozentpunkt mehr auf rund 327.000 € Restschuld nach zehn Jahren etwa 3.270 € Zinsen im Jahr zusätzlich.
- Sanierungen und Sonderumlagen: Ist die Rücklage der Gemeinschaft klein und steht eine Dach- oder Heizungssanierung an, zahlen alle Eigentümer nach ihrem Anteil nach.
- Lage: Eine hohe Rendite kann ein Hinweis auf schwache Nachfrage sein. Rechnen Sie bei solchen Objekten mit längeren Leerständen.
- Mietrecht: Mieterhöhungen sind gedeckelt, bei Neuvermietung gilt in vielen Städten die Mietpreisbremse. Wer schnelle Mietsprünge einplant, rechnet sich das Objekt schön.
- Betreiberrisiko bei Pflegeapartments: Hier zahlt ein Betreiber die Miete. Fällt er aus, kann die Miete ausbleiben, bis ein neuer Betreiber gefunden ist.
- Wertentwicklung: Ob eine Immobilie in zehn Jahren mehr oder weniger wert ist, kann niemand vorhersagen. Unsere Rechnung kommt ohne Annahme zur Wertsteigerung aus.
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Quellen
Alle Quellen abgerufen am 13.10.2026.
- § 32a EStG (Einkommensteuertarif 2026) und §§ 3, 4 SolZG 1995
- § 7 Abs. 4 EStG (lineare Gebäude-Abschreibung)
- § 1 und § 2 BetrKV (umlagefähige Betriebskosten, nicht umlagefähige Verwaltungs- und Instandhaltungskosten)
- Grunderwerbsteuer Hessen 6,0 % (G vom 26.11.2012 i. d. F. vom 16.07.2014, GVBl. S. 179) und Niedersachsen 5,0 % (G vom 17.12.2010 i. d. F. vom 16.12.2013, Nds. GVBl. S. 310)
- GNotKG, Anlage 2 (Gebührentabelle für Notar und Grundbuch)
- Beispielrechnung: eigene Berechnung, Stand 13.10.2026
FAQHäufige Fragen
Was ist eine Renditeimmobilie?
Eine Immobilie, die Sie als Kapitalanlage kaufen und vermieten, um daraus Erträge zu ziehen. Das kann eine Eigentumswohnung, ein Mehrfamilienhaus, ein Wohn- und Geschäftshaus oder ein Pflegeapartment sein. Der Begriff ist nicht geschützt und sagt nichts über die Qualität des Objekts.
Welche Rendite ist bei einer Immobilie gut?
Eine allgemein gute Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist der Vergleich mit ähnlichen Objekten in derselben Lage und mit Ihrem Kreditzins. Liegt die Nettomietrendite unter dem Zins, zahlen Sie bei voller Finanzierung vor Steuern jeden Monat zu. Eine sehr hohe Rendite kann auf ein höheres Risiko hinweisen.
Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Nettomietrendite?
Die Bruttomietrendite teilt die Jahreskaltmiete durch den Kaufpreis. Die Nettomietrendite zieht vorher die Kosten ab, die Sie selbst tragen, und rechnet die Kaufnebenkosten zum Preis hinzu. Im Beispiel macht das bei der Großstadt-Wohnung 3,30 % gegenüber 2,45 % aus.
Wie berechne ich den Kaufpreisfaktor?
Sie teilen den Kaufpreis durch die Jahreskaltmiete. 400.000 € Kaufpreis und 13.200 € Jahresmiete ergeben einen Faktor von 30,3. Je höher der Faktor, desto mehr bezahlen Sie für jeden Euro Miete.
Warum ist der Cashflow trotz Mieteinnahmen negativ?
Weil die Kreditrate aus Zins und Tilgung bei voller Finanzierung meist höher ist als die Miete nach Kosten. Ein Teil der Zuzahlung fließt in die Tilgung und baut Ihre Schulden ab. Die Steuerersparnis verringert die Zuzahlung, dreht sie aber bei Bestandswohnungen selten ins Plus.
Ist ein Mehrfamilienhaus die bessere Renditeimmobilie?
Ein Mehrfamilienhaus verteilt das Leerstandsrisiko auf mehrere Mieter, und Sie entscheiden ohne Eigentümergemeinschaft. Dafür ist der Kaufpreis höher, und Sie tragen alle Kosten für Dach, Heizung und Fassade allein. Welche Form besser passt, hängt von Ihrem Kapital und Ihrer Erfahrung ab.