Immobilienblase in Deutschland: was die Daten 2026 zeigen
Andriy Bezborodko · 2026-10-14
Sie überlegen, eine Wohnung zu kaufen, oder Sie besitzen schon eine. Und überall lesen Sie, die Preise seien zu hoch und die Blase werde bald platzen. Andere schreiben das Gegenteil. Beide Seiten haben meist eines gemeinsam: Sie nennen keine Zahlen, die Sie selbst nachprüfen können.
Wir machen es umgekehrt. Wir nehmen die vier Merkmale, an denen Ökonomen eine Blase erkennen, und legen die amtlichen Zeitreihen daneben. Eine Vorhersage finden Sie hier nicht. Die Daten zeigen, wo der Markt heute steht, nicht, wo er morgen steht.
01Was eine Immobilienblase ausmacht
Eine Blase ist mehr als „teuer“. Ökonomen sprechen davon, wenn sich Preise von dem lösen, was sie tragen sollte: Mieten, Einkommen und Zinsen. Dazu kommt fast immer viel billiger Kredit und die Erwartung, dass es immer weiter nach oben geht. Platzt eine Blase, fallen die Preise nicht nur, sie fallen schnell und weit, oft mit Notverkäufen.
Für eine nüchterne Prüfung reichen vier Fragen.
- 01Laufen die Preise den Mieten davon?
Wenn Kaufpreise viel schneller steigen als Mieten, bezahlt der Käufer immer mehr für denselben Ertrag.
- 02Hängt der Markt an billigem, kurzem Kredit?
Wer variabel oder kurz finanziert, gerät bei steigenden Zinsen schnell unter Druck.
- 03Sind die Preise auch nach Abzug der Inflation hoch?
Ein Teil jedes Anstiegs ist nur Geldentwertung.
- 04Betrifft es das ganze Land oder einzelne Märkte?
Ein Durchschnitt kann sehr verschiedene Regionen verdecken.
Wir gehen die vier Punkte der Reihe nach durch.
02Merkmal 1: Preise und Mieten
Das Statistische Bundesamt misst die Preise für Wohnimmobilien mit dem Häuserpreisindex. Eurostat veröffentlicht dieselbe Reihe für Deutschland mit dem Basisjahr 2015. Daneben steht ein Index der tatsächlich gezahlten Mieten. Teilt man den einen durch den anderen, sieht man, wie viel ein Käufer für einen Euro Miete bezahlt.
| Preise | Mieten | Preis im Verhältnis zur Miete | |
|---|---|---|---|
| 2010 | 83,9 | 93,8 | 89,4 |
| 2015 | 100,0 | 100,0 | 100,0 |
| 2020 | 138,7 | 107,6 | 128,9 |
| 2022 | 164,1 | 110,8 | 148,1 |
| 2025 | 152,7 | 117,9 | 129,5 |
Von 2010 bis 2022 haben sich die Preise fast verdoppelt (+96 %), die Mieten stiegen im selben Zeitraum um 18 %. Das Verhältnis von Preis zu Miete lag 2022 rund 66 % über dem Wert von 2010. Seitdem ist es wieder gesunken, weil die Preise fielen und die Mieten weiter stiegen. 2025 lag es noch rund 45 % über 2010.
Was heißt das? Der Markt hat einen großen Teil der Übertreibung aus der Niedrigzinszeit abgebaut, aber nicht alles. Wer heute kauft, zahlt im Verhältnis zur Miete weniger als 2022 und mehr als 2010.
03Merkmal 2: Zinsen und Kredite
Warum die Preise ab Mitte 2022 fielen, sieht man an einer einzigen Zahl. Im Januar 2022 kostete ein Wohnungsbaukredit mit 5 bis 10 Jahren Zinsbindung laut Bundesbank effektiv 1,19 %. Ende 2023 waren es 3,80 %, im August 2026 3,81 %.
| Zins | Darlehen | |
|---|---|---|
| Januar 2022 | 1,19 % | 376.176 € |
| August 2026 | 3,81 % | 206.540 € |
| Unterschied | −45 % |
Mit derselben Monatsrate bekommt ein Käufer heute fast die Hälfte weniger Kredit. Dass die Preise darauf fielen, ist kein Zeichen einer platzenden Blase, sondern die normale Reaktion auf teureres Geld. Bemerkenswert ist eher, dass sie nur um 12,9 % fielen.
Ein Grund dafür steckt in der Art, wie Deutschland finanziert. Von den neuen Wohnungsbaukrediten im August 2026 hatten nach der Bundesbank-Statistik fast 78 % eine Zinsbindung von mehr als fünf Jahren. Wer 2021 für zehn Jahre festgeschrieben hat, zahlt bis 2031 seinen alten Zins. Notverkäufe wegen steigender Raten, wie in den USA ab 2007, blieben deshalb weitgehend aus.
04Merkmal 3: Preise nach Abzug der Inflation
Ein Preisanstieg von 10 % ist wenig wert, wenn gleichzeitig alles andere um 10 % teurer wird. Rechnet man die Inflation heraus, sieht der Rückgang deutlich größer aus. Real lagen die Preise 2025 rund 16 % unter 2022.
Real liegen die Preise heute etwa da, wo sie Ende der 2010er-Jahre standen. Eine Blase im Sinne immer weiter abhebender Preise ist in dieser Kurve nicht zu sehen. Ein hohes Niveau gegenüber 2010 ist es trotzdem.
05Merkmal 4: Regionen
Der Durchschnitt verdeckt viel. Im 2. Quartal 2026 sanken die Preise für Eigentumswohnungen in den sieben größten Städten leicht, in kreisfreien Großstädten außerhalb dieser Metropolen stiegen sie.
| Region (2. Quartal 2026) | Eigentumswohnungen zum Vorjahr | Ein- und Zweifamilienhäuser zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Top-7-Metropolen | −0,4 % | +0,7 % |
| Kreisfreie Großstädte ohne Top 7 | +2,0 % | +0,7 % |
| Dicht besiedelte ländliche Kreise | −1,8 % | +1,0 % |
| Dünn besiedelte ländliche Kreise | −0,6 % | −0,4 % |
| Deutschland insgesamt | +0,6 % |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 336 vom 24.09.2026, vorläufige Werte.
Ein privates Institut misst das Blasenrisiko ausdrücklich auf Kreisebene. Der empirica-Blasenindex sah im 2. Quartal 2026 in 272 von 400 Kreisen ein mäßiges bis hohes Risiko, das sind weniger als auf dem Höhepunkt Ende 2021. Unter den zwölf größten Städten stufte empirica Hamburg und Bremen hoch ein, Dortmund gering. Das bundesweite „Rückschlagpotenzial“ aus dem Verhältnis von Kaufpreis und Miete schätzte empirica auf 18 %, nach 20 % ein Jahr zuvor. Das ist ein Modellwert, keine Vorhersage.
„Wenn alle nach zehn Jahren verkaufen wollen, wer will es denn dann kaufen?“
Diese Frage hören wir in Beratungsgesprächen. Sie trifft den Kern der Blasenangst: Am Ende entscheidet der Käufer von morgen. Die ehrliche Antwort ist, dass niemand den Preis in zehn Jahren kennt. Deshalb sollte eine Kapitalanlage auch dann tragbar sein, wenn der Verkaufspreis nicht steigt.
06Was das für Ihre Rechnung bedeutet
Ob die Gesamtheit der deutschen Wohnungen überbewertet ist, können Sie nicht ändern. Was Sie in der Hand haben, ist der Preis der einen Wohnung, die Sie kaufen. Und der wirkt sich viel direkter auf Ihr Ergebnis aus als jede Marktdebatte.
Nehmen wir zwei gleich große Wohnungen mit gleicher Miete, einmal für 3.500 € und einmal für 2.800 € je Quadratmeter. Die Zahlen sind ein Rechenbeispiel und keine Prognose.
| Wohnung A | Wohnung B | |
|---|---|---|
| Kaufpreis (60 m²) | 210.000 € | 168.000 € |
| Kaufpreis geteilt durch Jahresmiete | 29,2 | 23,3 |
| Kaltmiete (10 €/m²) | +7.200 € | +7.200 € |
| Kreditrate (3,81 % Zins, 1,5 % Tilgung) | −11.151 € | −8.921 € |
| Nicht umlagefähige Kosten | −1.000 € | −1.000 € |
| Ergebnis vor Steuern im Jahr | −4.951 € | −2.721 € |
| Ergebnis vor Steuern im Monat | −413 € | −227 € |
| davon Tilgung im ersten Jahr | 3.150 € | 2.520 € |
Beide Wohnungen kosten im ersten Jahr Geld, das ist bei Zinsen um 3,8 % und Kaufpreisen über dem 20-Fachen der Jahresmiete normal. Ein Teil der Zuzahlung fließt in die Tilgung und baut Vermögen auf. Der Unterschied zwischen A und B beträgt aber 186 € im Monat, über zehn Jahre über 22.000 €, nur wegen des Einkaufspreises.
Den Faktor aus Kaufpreis und Jahresmiete können Sie für jedes Angebot selbst ausrechnen, mehr dazu im Glossar unter Kaufpreisfaktor. Für Ihre eigene Wohnung rechnet der Mietrendite-Rechner.
Was bringt Ihre Wohnung im Verhältnis zum Preis? Geben Sie Kaufpreis, Nebenkosten und Miete ein.
07Wer sich mit der Blasenfrage beschäftigen sollte
- alle, die mit sehr wenig Eigenkapital und kurzer Zinsbindung kaufen wollen
- Käufer in Märkten mit sehr hohem Kaufpreisfaktor, etwa über dem 30-Fachen der Jahresmiete
- alle, die in den nächsten Jahren verkaufen müssen oder wollen
- Anleger, die 15 Jahre und länger halten und eine Phase fallender Preise aussitzen können
- Käufer, deren Rechnung auch ohne jede Wertsteigerung tragbar ist
- alle, die den Kaufpreis an Miete und Lage messen statt am Trend
08Risiken und Grenzen dieser Daten
Indizes zeigen Durchschnitte. Ihre Wohnung kann sich anders entwickeln, auch gegen den Trend. Die Werte für das 2. Quartal 2026 sind vorläufig, das Statistische Bundesamt hat das 1. Quartal gerade um 0,2 Prozentpunkte nach unten korrigiert.
Das Verhältnis von Preis zu Miete sagt nichts darüber, welches Verhältnis „richtig“ ist. Bei niedrigen Zinsen sind höhere Faktoren tragbar als bei hohen. Steigen die Zinsen weiter, kann Druck auf die Preise entstehen, sinken sie, kann der Faktor auch wieder steigen.
Für Sie als Eigentümer bleiben die bekannten Risiken einer vermieteten Wohnung: Leerstand und Mietausfall, steigende Zinsen bei der Anschlussfinanzierung, Instandhaltung und Sanierungspflichten. Mehr zum Zinsrisiko im Glossar unter Zinsänderungsrisiko.
Weiterlesen
Quellen
- Statistisches Bundesamt: Preise für Wohnimmobilien im 2. Quartal 2026, Pressemitteilung Nr. 336 vom 24.09.2026, destatis.de (abgerufen 14.10.2026)
- Eurostat: House price index, annual (prc_hpi_a) und quarterly (prc_hpi_q), Deutschland, 2015 = 100, Stand 01.10.2026; HICP annual average indices (prc_hicp_aind), Gesamtindex und CP041 Wohnungsmieten, Stand 06.02.2026 (abgerufen 14.10.2026)
- Deutsche Bundesbank: Zinssätze und Volumina für das Neugeschäft der deutschen Banken, Wohnungsbaukredite an private Haushalte, Stand 01.10.2026, bundesbank.de (abgerufen 14.10.2026)
- Europäische Zentralbank: Key ECB interest rates, ecb.europa.eu (abgerufen 14.10.2026)
- Statistisches Bundesamt: Inflationsrate im September 2026, Pressemitteilung Nr. 348 vom 30.09.2026 (abgerufen 14.10.2026)
- Haufe: Bericht zum empirica-Blasenindex 2. Quartal 2026 vom 11.08.2026, haufe.de (abgerufen 14.10.2026)
FAQHäufige Fragen
Gibt es 2026 eine Immobilienblase in Deutschland?
Die amtlichen Daten zeigen keine Blase, die gerade platzt. Die Preise sind seit dem Hoch 2022 um 8,3 % gesunken und steigen seit 2024 langsam wieder, im 2. Quartal 2026 um 0,6 % zum Vorjahr. Im Verhältnis zu den Mieten sind sie aber noch rund 45 % höher als 2010, und in einzelnen Städten sehen Institute ein erhöhtes Risiko.
Wann platzt die Immobilienblase?
Das kann niemand seriös sagen, und wir geben keine Prognose ab. Die Daten zeigen nur, dass ein Teil der Übertreibung schon abgebaut ist: Von Mitte 2022 bis Anfang 2024 fielen die Preise um 12,9 %, nach Abzug der Inflation noch deutlich stärker.
Was ist der Unterschied zur US-Immobilienkrise 2007?
In den USA wurden viele Kredite variabel und an Käufer mit schwacher Bonität vergeben. Als die Zinsen stiegen, konnten viele nicht mehr zahlen und mussten verkaufen. In Deutschland haben nach der Bundesbank-Statistik fast 78 % der neuen Wohnungsbaukredite eine Zinsbindung von mehr als fünf Jahren. Steigende Zinsen treffen deshalb vor allem neue Käufer und Anschlussfinanzierungen, nicht alle Eigentümer auf einmal.
Was passiert mit meiner vermieteten Wohnung, wenn die Preise fallen?
Solange Sie nicht verkaufen, ist ein Preisrückgang ein Buchverlust. Ihre Miete, Ihre Rate und Ihre Steuer bleiben davon unberührt. Schwierig wird es, wenn Sie verkaufen müssen oder die Bank bei der Anschlussfinanzierung einen niedrigeren Wert ansetzt und mehr Eigenkapital verlangt.
Woran erkenne ich, ob eine einzelne Wohnung überteuert ist?
Ein einfacher Anhaltspunkt ist der Kaufpreisfaktor, also Kaufpreis geteilt durch Jahreskaltmiete. Vergleichen Sie ihn mit ähnlichen Wohnungen in derselben Lage und prüfen Sie, ob die angesetzte Miete zur ortsüblichen Vergleichsmiete passt. Mehr dazu im Ratgeber Mietrendite berechnen.
Sind Wohnungen in Großstädten überbewertet?
In den sieben größten Städten sind die Preise für Eigentumswohnungen im 2. Quartal 2026 leicht gesunken (−0,4 % zum Vorjahr). Das empirica-Institut stufte im selben Quartal Hamburg und Bremen mit hohem, Berlin, München, Frankfurt, Düsseldorf, Stuttgart, Leipzig und Dresden mit eher hohem Risiko ein. Das sind Modellwerte, keine Vorhersagen.
Sollte ich wegen einer möglichen Blase mit dem Kauf warten?
Das hängt von Ihrer Rechnung ab, nicht vom Markt. Warten kostet ebenfalls etwas, zum Beispiel wenn die Zinsen weiter steigen. Wir rechnen beide Wege im Ratgeber Immobilienpreise sinken: kaufen oder warten? durch.