Mietpreisentwicklung 2026: Mietpreisindex, Mietindex und was bei Vermietern ankommt
Moe Afonso · 2026-10-14
Sie vermieten eine Wohnung oder wollen eine kaufen. In der Zeitung steht, die Mieten stiegen kräftig, Portale melden Rekorde in Köln und Hamburg. Ihre eigene Mieterin zahlt aber seit drei Jahren dasselbe. Beides kann gleichzeitig stimmen.
Der Grund ist, dass es nicht die eine Miete gibt. Es gibt die Mieten, die in laufenden Verträgen gezahlt werden, und die Mieten, die in neuen Anzeigen verlangt werden. Beide werden mit eigenen Indizes gemessen, und beide entwickeln sich unterschiedlich schnell.
01Zwei Mieten, zwei Indizes
Wenn von „dem Mietindex“ die Rede ist, meint das Statistische Bundesamt die Nettokaltmieten im Verbraucherpreisindex. Darin stecken alle laufenden Mietverhältnisse, also vor allem Verträge, die seit Jahren bestehen. Angebotsmieten dagegen stammen aus Inseraten und zeigen, was bei einer neuen Vermietung verlangt wird.
| Bestandsmiete | Angebotsmiete | |
|---|---|---|
| Was gemessen wird | Kaltmieten in laufenden Verträgen | Kaltmieten in Wohnungsanzeigen |
| Wichtigster Index | Nettokaltmiete im Verbraucherpreisindex (Statistisches Bundesamt) | z. B. GREIX-Mietpreisindex (Kiel Institut), Auswertungen von Inseraten |
| Erscheint | monatlich | vierteljährlich |
| Steigt eher | langsam, gebremst durch das Mietrecht | schneller, folgt der Nachfrage |
| Wichtig für | laufende Mieteinnahmen, Indexvergleich | Neuvermietung, Kaufentscheidung |
Für einen Vermieter mit langjährigem Mieter zählt vor allem die linke Spalte. Wer eine Wohnung kauft und neu vermietet, schaut auf die rechte, muss aber die Grenzen der Mietpreisbremse beachten.
02Der Mietindex des Statistischen Bundesamts
Der Index der Nettokaltmieten hat das Basisjahr 2020 = 100. Ein Wert von 111,9 heißt, dass die Kaltmieten in bestehenden Verträgen im Schnitt 11,9 % höher sind als 2020.
| Nettokaltmiete | Verbraucherpreise gesamt | |
|---|---|---|
| September 2024 | 107,6 | 119,7 |
| September 2025 | 109,8 | 122,6 |
| Januar 2026 | 110,6 | |
| Juni 2026 | 111,4 | |
| September 2026 | 111,9 | 126,6 |
| Veränderung zum Vorjahr | +1,9 % | +3,3 % |
Über die Jahre sieht man ein sehr ruhiges Bild. Seit 2015 lag die jährliche Steigerung der Wohnungsmieten immer zwischen 1,2 % und 2,2 %. Selbst 2022, als die Inflation auf 8,7 % sprang, stiegen die Mieten in laufenden Verträgen nur um 1,7 %.
Die Kehrseite ist wichtig für Vermieter. Seit 2020 sind die Verbraucherpreise um 26,6 % gestiegen, die Bestandsmieten um 11,9 %. Nach Abzug der Inflation sind die Mieten in laufenden Verträgen also um rund 12 % gesunken. Gleichzeitig wurden Handwerker, Verwaltung und Versicherung teurer, die Sie als Vermieter tragen.
03Angebotsmieten in den großen Städten
Bei neuen Vermietungen sieht es anders aus. Das Kiel Institut wertet für den GREIX-Mietpreisindex Inserate aus 37 Städten und Regionen aus. Im 2. Quartal 2026 lagen die Angebotsmieten dort im Schnitt bei 14,30 € je Quadratmeter, 3,0 % höher als ein Jahr zuvor.
| Stadt (2. Quartal 2026) | Angebotsmiete je m² | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| München | 23,70 € | +3,7 % |
| Frankfurt am Main | 17,80 € | +2,8 % |
| Hamburg | 16,50 € | +5,1 % |
| Stuttgart | 16,30 € | +1,3 % |
| Köln | 16,00 € | +6,0 % |
| Berlin | 15,30 € | −0,8 % |
| Düsseldorf | 14,90 € | +4,1 % |
| Leipzig | 10,50 € | +2,8 % |
Quelle: Kiel Institut für Weltwirtschaft, GREIX-Mietpreisindex 2. Quartal 2026, Veröffentlichung vom 22.07.2026.
Neubauwohnungen wurden im Schnitt für 19,00 € angeboten, Bestandswohnungen für 13,90 €. Der Abstand von 5,10 € je Quadratmeter erklärt, warum Neubau-Kapitalanlagen mit höheren Mieten kalkuliert werden, aber auch höhere Kaufpreise haben. Berlin ist die einzige der acht größten Städte mit sinkenden Angebotsmieten im Jahresvergleich.
04Warum Bestandsmieten langsamer steigen
Dass laufende Mieten nur um rund 2 % im Jahr steigen, ist kein Zufall. Das Mietrecht erlaubt Erhöhungen nur auf bestimmten Wegen und in Grenzen.
| Weg | Regel | Paragraf |
|---|---|---|
| Erhöhung auf die ortsübliche Vergleichsmiete | höchstens bis zur Vergleichsmiete und höchstens 20 % in drei Jahren, in vielen Städten 15 %; frühestens 15 Monate nach Einzug oder letzter Erhöhung wirksam | § 558 BGB |
| Mietpreisbremse bei Neuvermietung | in ausgewiesenen Gebieten höchstens 10 % über der Vergleichsmiete; Länderverordnungen gelten längstens bis 31.12.2029; Ausnahmen u. a. für Neubau und nach umfassender Modernisierung | §§ 556d–556g BGB |
| Indexmiete | folgt dem Verbraucherpreisindex insgesamt; Anpassung frühestens nach einem Jahr, Kappungsgrenze gilt nicht | § 557b BGB |
| Staffelmiete | feste Erhöhungen im Voraus vereinbart, mindestens ein Jahr Abstand; in Gebieten mit Mietpreisbremse gilt sie für jede Staffel | § 557a BGB |
Die Bundesregierung plant, die Indexmiete in Gebieten mit Mietpreisbremse zu begrenzen. Der Entwurf (Bundestagsdrucksache 21/6807) sieht vor, Steigerungen über 3 % im Jahr nur zur Hälfte weiterzugeben. Er ist noch nicht beschlossen, die Anhörung im Rechtsausschuss ist am 14.10.2026. Welche Regeln für Sie gelten, zeigt unser Ratgeber Mieterhöhung: Regeln und Fristen.
05Mietindex ist nicht Indexmiete
Ein häufiger Irrtum betrifft die Indexmiete. Sie richtet sich nicht nach dem Mietindex, sondern nach dem Verbraucherpreisindex für alle Waren und Dienstleistungen. In den letzten Jahren war das ein großer Unterschied, weil die allgemeinen Preise viel schneller stiegen als die Mieten.
| Wert | |
|---|---|
| Ausgangsmiete September 2024 (65 m² × 9,50 €) | 617,50 € |
| Verbraucherpreisindex September 2024 → September 2026 | 119,7 → 126,6 |
| Indexmiete im September 2026 | 653,10 € |
| zum Vergleich: Entwicklung wie der Mietindex (107,6 → 111,9) | 642,18 € |
| Unterschied im Monat | 10,92 € |
Mit Indexmiete wäre die Miete in zwei Jahren um 35,60 € gestiegen, entlang des Mietindex um 24,68 €. Das klingt nach wenig, summiert sich aber. Andersherum gilt es auch: In Jahren mit sehr niedriger Inflation, wie 2016 mit 0,4 %, bleibt eine Indexmiete fast stehen. Den eigenen Fall rechnet der Indexmiete-Rechner.
06Was die Mietentwicklung für Ihre Rechnung bedeutet
Bei einer vermieteten Wohnung entscheidet die Mietsteigerung über zehn Jahre spürbar mit, ob sich der Kauf trägt. Ein ehrlicher Weg ist, mehrere Annahmen nebeneinanderzustellen statt eine einzige als Erwartung zu setzen.
Nehmen wir eine Wohnung mit 650 € Kaltmiete im Monat, also 7.800 € im Jahr. Die Steigerungsraten sind Annahmen und keine Prognose. 1,9 % entspricht der Steigerung der Bestandsmieten im letzten Jahr.
| Miete im 10. Jahr | Summe über 10 Jahre | |
|---|---|---|
| keine Steigerung | 7.800 € | 78.000 € |
| 1 % im Jahr | 8.531 € | 81.605 € |
| 1,9 % im Jahr | 9.240 € | 85.018 € |
| 3 % im Jahr | 10.177 € | 89.418 € |
Zwischen „keine Steigerung“ und 3 % liegen über zehn Jahre 11.418 € Mieteinnahmen. Das ist viel, aber weniger, als viele erwarten. Und es ist kein Gewinn, denn Instandhaltung, Verwaltung und nicht umlagefähige Kosten steigen in derselben Zeit mit.
07Für wen die Zahlen besonders wichtig sind
- Käufer, deren Kalkulation mit festen jährlichen Mietsteigerungen rechnet
- Vermieter mit Indexmiete, wenn die geplante Reform kommt
- Käufer einer vermieteten Wohnung mit einer Miete deutlich unter der Vergleichsmiete
- Vermieter mit Staffelmiete, deren Erhöhungen schon feststehen
- Eigentümer, die selbst nutzen
- Anleger, deren Rechnung auch ohne Mietsteigerung tragbar ist
08Risiken und Grenzen
Ein bundesweiter Index sagt wenig über Ihre Straße. Die Spanne zwischen Berlin (−0,8 %) und Köln (+6,0 %) bei den Angebotsmieten zeigt, wie weit Städte auseinanderliegen. Für Ihre Wohnung zählen Mietspiegel, Lage und Zustand.
Angebotsmieten sind Wunschpreise aus Inseraten, nicht die tatsächlich vereinbarten Mieten. Und keine dieser Reihen sagt, wie sich Mieten künftig entwickeln. Gesetzesänderungen wie die geplante Kappung der Indexmiete können die Spielräume verändern.
Für Vermieter kommen die üblichen Risiken hinzu: Leerstand zwischen zwei Mietern, Mietausfall, Streit über Mieterhöhungen und steigende Kosten, die Sie nicht umlegen dürfen. Welche das sind, steht im Ratgeber nicht umlagefähige Nebenkosten.
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Quellen
- Statistisches Bundesamt: Verbraucherpreisindex für Deutschland, Sondergliederungen (Nettokaltmiete) und Gesamtindex, 2020 = 100, Stand 13.10.2026, destatis.de (abgerufen 14.10.2026)
- Statistisches Bundesamt: Inflationsrate im September 2026, Pressemitteilung Nr. 348 vom 30.09.2026 (abgerufen 14.10.2026)
- Eurostat: HICP annual average indices (prc_hicp_aind), CP041 tatsächliche Mietzahlungen, Deutschland, Stand 06.02.2026 (abgerufen 14.10.2026)
- Kiel Institut für Weltwirtschaft: GREIX-Mietpreisindex 2. Quartal 2026, Veröffentlichung vom 22.07.2026 über idw-online.de (abgerufen 14.10.2026)
- §§ 556d–556g, 557a, 557b, 558 BGB, gesetze-im-internet.de (abgerufen 14.10.2026); Gesetz vom 17.07.2025, BGBl. 2025 I Nr. 163
- Deutscher Bundestag: Regierungsentwurf Mietrechtsreform, Drucksache 21/6807 vom 01.07.2026
FAQHäufige Fragen
Was ist der Mietpreisindex?
Meist ist damit der Index der Nettokaltmieten im Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts gemeint. Er misst, wie sich die Kaltmieten in bestehenden Mietverträgen entwickeln, mit dem Basisjahr 2020 = 100. Im September 2026 lag er bei 111,9.
Wie stark steigen die Mieten pro Jahr?
In bestehenden Verträgen stiegen die Kaltmieten zuletzt um 1,9 % (September 2026 zum Vorjahr), seit 2015 jedes Jahr zwischen 1,2 % und 2,2 %. Angebotsmieten in Inseraten stiegen nach dem GREIX im 2. Quartal 2026 um 3,0 %.
Was ist der aktuelle Mietindex 2026?
Der Index der Nettokaltmieten lag im September 2026 bei 111,9 (2020 = 100), im Januar 2026 bei 110,6. Die Werte veröffentlicht das Statistische Bundesamt monatlich mit dem Verbraucherpreisindex.
Steigen die Mieten schneller als die Inflation?
Zuletzt nicht. Im September 2026 lagen die Verbraucherpreise 3,3 % über dem Vorjahr, die Bestandsmieten 1,9 %. Seit 2020 stiegen die Preise insgesamt um 26,6 %, die Bestandsmieten um 11,9 %.
Richtet sich meine Indexmiete nach dem Mietindex?
Nein. Die Indexmiete nach § 557b BGB folgt dem Verbraucherpreisindex für Deutschland insgesamt. Der Mietindex ist nur ein Teil davon und stieg zuletzt deutlich langsamer.
Darf ich die Miete jedes Jahr erhöhen?
Bei einer Erhöhung auf die ortsübliche Vergleichsmiete muss die Miete seit 15 Monaten unverändert sein, und in drei Jahren sind höchstens 20 % erlaubt, in vielen Städten 15 %. Bei Index- und Staffelmiete gelten eigene Regeln, mindestens ein Jahr liegt zwischen zwei Erhöhungen.
Wo steigen die Mieten am stärksten?
Unter den acht größten Städten stiegen die Angebotsmieten im 2. Quartal 2026 in Köln (+6,0 %) und Hamburg (+5,1 %) am stärksten. In Berlin sanken sie leicht (−0,8 %). Am teuersten bleibt München mit 23,70 € je Quadratmeter.