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Wertsteigerung von Immobilien: was die letzten 5, 10 und 20 Jahre zeigen

Michael Pauker · 2026-10-14

Häuserpreise in Deutschland, amtlicher Index
+52,7 %
in 10 Jahren
2015 bis 2025, nominal
+15,8 %
nach Inflation
2015 bis 2025, real
3,1 %
pro Jahr über 20 Jahre
2005 bis 2025, nominal
−8,3 %
seit dem Hoch
2. Quartal 2022 bis 2. Quartal 2026

Sie haben vor einigen Jahren gekauft und fragen sich, was Ihre Wohnung heute wert ist. Oder Sie rechnen gerade ein Angebot durch, und in der Kalkulation steht eine Wertsteigerung von 2 % im Jahr. Klingt das realistisch?

Die Antwort hängt stark davon ab, welchen Zeitraum Sie anschauen, ob Sie die Inflation abziehen und ob Sie Kosten und Steuer mitrechnen. Wir zeigen alle drei Ebenen mit dem amtlichen Häuserpreisindex. Das ist ein Blick zurück. Wie sich Preise künftig entwickeln, sagt keine dieser Zahlen.

01Was der amtliche Index zeigt

Der Häuserpreisindex misst die Preise aller Wohnimmobilien, die verkauft werden, also Wohnungen und Häuser, Neubau und Bestand. Er rechnet Unterschiede in Größe, Lage und Ausstattung heraus. Deshalb taugt er besser als Durchschnittspreise aus Inseraten, um die Entwicklung über Jahre zu vergleichen.

Wertsteigerung je nach Zeitraum
Gesamtpro Jahrpro Jahr nach Inflation
5 Jahre (2020–2025)+10,1 %+1,9 %−2,5 %
10 Jahre (2015–2025)+52,7 %+4,3 %+1,5 %
15 Jahre (2010–2025)+82,0 %+4,1 %+1,7 %
20 Jahre (2005–2025)+83,3 %+3,1 %+0,9 %
Häuserpreisindex Deutschland, alle Käufe, Jahresdurchschnitt, Eurostat (Stand 01.10.2026). Inflation: Harmonisierter Verbraucherpreisindex. Eigene Berechnung.

Die Tabelle zeigt schon das Grundproblem jeder „durchschnittlichen Wertsteigerung“. Je nachdem, wo Sie anfangen, kommen sehr verschiedene Zahlen heraus. Wer 2005 kaufte, erlebte erst fünf Jahre Stillstand, dann einen langen Anstieg. Wer 2020 kaufte, hat nach Inflation Kaufkraft verloren.

Aus unseren Gesprächen
„Wie realistisch sind die Zahlen und die Wertsteigerung?“

Diese Frage stellen Interessenten in unseren Beratungsgesprächen oft. Unsere Antwort: Eine Wertsteigerung ist eine Annahme, keine Zahl, die man einplanen kann. Eine Kapitalanlage sollte sich auch dann tragen, wenn der Wert nicht steigt.

02Nach Abzug der Inflation

Ein Teil jeder Wertsteigerung ist Geldentwertung. Wenn eine Wohnung 10 % mehr wert ist, aber alles andere auch 10 % mehr kostet, haben Sie real nichts gewonnen. Von 2015 bis 2025 stiegen die Verbraucherpreise um 31,9 %. Von den 52,7 % Wertsteigerung bleiben real deshalb 15,8 %.

Die Rechnung kann auch kippen. Zwischen 2020 und 2025 stiegen die Häuserpreise um 10,1 %, die Verbraucherpreise um 24,7 %. Real sind Immobilien in diesen fünf Jahren um 11,7 % gesunken. Als Schutz vor Inflation funktionierten sie in diesem Zeitraum nicht, zumindest nicht über den Wert. Mehr dazu im Ratgeber Inflationsschutz durch Sachwerte.

03Jahr für Jahr: keine gerade Linie

Durchschnittswerte glätten, was dazwischen passiert. Von 2016 bis 2022 stiegen die Preise jedes Jahr um 6 % bis fast 12 %. Danach folgten zwei Jahre mit sinkenden Preisen, 2023 mit −8,4 %, so stark wie in keinem anderen Jahr seit 2005.

Veränderung der Häuserpreise zum Vorjahr
2007
−2,2 %
2010
+1,1 %
2013
+3,1 %
2016
+7,4 %
2019
+5,8 %
2020
+7,7 %
2021
+11,6 %
2022
+6,0 %
2023
−8,4 %
2024
−1,5 %
2025
+3,2 %
Häuserpreisindex Deutschland, Jahresdurchschnitt, Eurostat, Stand 01.10.2026.

Für Sie heißt das: Der Kaufzeitpunkt macht über fünf oder zehn Jahre einen großen Unterschied. Über sehr lange Zeiträume gleicht sich das eher aus, eine Garantie dafür gibt es nicht. Aktuell stiegen die Preise im 2. Quartal 2026 um 0,6 % zum Vorjahr.

04Neubau und Bestand

Seit 2022 haben sich neue und gebrauchte Immobilien unterschiedlich entwickelt. Bestandsobjekte haben deutlich nachgegeben, Neubauten kaum. Ein wichtiger Grund sind die Baukosten, die Bauträger nicht unterschreiten können, ohne Verlust zu machen.

Häuserpreisindex (2015 = 100)1. Quartal 2019Hoch 20222. Quartal 20262. Quartal 2026 zum Hoch
Neubau119,5150,8151,9+0,7 %
Bestand125,5170,8153,7−10,0 %
Alle Käufe124,6167,4153,5−8,3 %

Quelle: Eurostat, Häuserpreisindex Deutschland, Quartalswerte, Stand 01.10.2026. Hoch Neubau im 3. Quartal 2022, Bestand und gesamt im 2. Quartal 2022.

Daraus lässt sich keine Empfehlung für das eine oder andere ableiten. Es zeigt aber, dass „Immobilien“ kein einheitlicher Markt sind. Einen Vergleich beider Wege lesen Sie im Ratgeber Neubau oder Bestand als Kapitalanlage. Auch regional gehen die Zahlen weit auseinander, wie unser Ratgeber Immobilienblase in Deutschland zeigt.

05Was nach Kosten übrig bleibt

Der Index zeigt Preise, nicht Ihren Gewinn. Beim Kauf zahlen Sie Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbuch, oft auch Makler, je nach Bundesland und Maklerprovision zusammen etwa 5 bis 12 % des Kaufpreises. Beim Verkauf kommen wieder Kosten dazu. Und eine Wohnung altert, ohne laufende Instandhaltung hält sie mit dem Index nicht mit.

Zwei Beispiele zeigen die Spanne. Beide Wohnungen entwickeln sich genau wie der Durchschnitt, die Zahlen sind ein Rechenbeispiel und keine Prognose.

Beispiel 1: Kauf 2015, Verkauf 2025
Betrag
Kaufpreis 2015200.000 €
Kaufnebenkosten (10 %)20.000 €
Wert 2025 (Index +52,7 %)305.400 €
Verkaufskosten (3 %)−9.162 €
Ergebnis nach Kosten+76.238 €
Kaufkraft der 220.000 € von 2015 in Preisen von 2025290.180 €
Ergebnis nach Kosten und Inflation+6.058 €
Häuserpreisindex und Verbraucherpreisindex, Eurostat. Ohne laufende Mieten, Zinsen und Instandhaltung. Eigene Berechnung, Stand 14.10.2026.
Beispiel 2: Kauf 2022, Verkauf 2026
Betrag
Kaufpreis 2. Quartal 2022300.000 €
Kaufnebenkosten (10 %)30.000 €
Wert 2. Quartal 2026 (Index −8,3 %)275.090 €
Verkaufskosten (3 %)−8.253 €
Ergebnis nach Kosten−63.163 €
Häuserpreisindex Deutschland, Quartalswerte, Eurostat. Ohne laufende Mieten, Zinsen und Instandhaltung. Eigene Berechnung, Stand 14.10.2026.

Im ersten Beispiel bleiben nominal gut 76.000 €, real nach Inflation nur rund 6.000 €. Im zweiten fehlen nach vier Jahren gut 63.000 €. Bei einer vermieteten Wohnung kommen Mieteinnahmen, Zinsen, Tilgung und Steuerwirkung hinzu. Sie entscheiden oft mehr über das Ergebnis als der Wert.

Ergebnis nach Kosten
Kauf 2015, Verkauf 2025
+76.238 €
davon nach Inflation
+6.058 €
Kauf 2022, Verkauf 2026
−63.163 €

06Wertsteigerung und Steuer

Verkaufen Sie eine vermietete Wohnung innerhalb von zehn Jahren nach dem Kauf, ist der Gewinn als privates Veräußerungsgeschäft steuerpflichtig (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG). Dabei werden die bereits genutzten Abschreibungen vom Kaufpreis abgezogen, der steuerpflichtige Gewinn fällt also höher aus als die reine Wertsteigerung (§ 23 Abs. 3 Satz 4 EStG). Nach zehn Jahren ist der Gewinn steuerfrei.

Ein Beispiel mit ausgedachten Zahlen: Lena, ledig, hat ein zu versteuerndes Einkommen von 60.000 €. Sie verkauft nach acht Jahren mit einem steuerpflichtigen Gewinn von 30.000 €.

Steuer auf einen Veräußerungsgewinn von 30.000 € (Tarif 2026)
ohne Verkaufmit Verkauf
Zu versteuerndes Einkommen60.000 €90.000 €
Einkommensteuer nach § 32a EStG14.233 €26.664 €
Solidaritätszuschlag0 €751,37 €
Mehrbelastung durch den Verkauf13.182,37 €
Grundtarif 2026, ohne Kirchensteuer. Eigene Berechnung nach § 32a EStG und §§ 3, 4 SolZG, Stand 14.10.2026.

Von 30.000 € Gewinn blieben Lena nach Steuer rund 16.800 €. Hätte sie gut zwei Jahre länger gewartet, wäre der Gewinn steuerfrei gewesen. Den eigenen Fall rechnet der Spekulationssteuer-Rechner, Details stehen im Ratgeber Spekulationsfrist bei Immobilien.

Wie viel Steuer fällt bei einem Verkauf vor Ablauf von zehn Jahren an? Geben Sie Kaufdatum, Kaufpreis, Abschreibung und Verkaufspreis ein.

07Für wen die Wertsteigerung eine große Rolle spielt

Die Wertentwicklung ist entscheidend für
  • Käufer, die in wenigen Jahren wieder verkaufen wollen
  • Kalkulationen, die nur mit Wertsteigerung aufgehen
  • Anleger mit sehr hohem Kredit im Verhältnis zum Wert
Sie ist weniger entscheidend für
  • Anleger, die lange halten und vor allem auf Miete und Tilgung setzen
  • Käufer, deren Rechnung ohne Wertsteigerung tragbar ist
  • Eigentümer, die nach zehn Jahren keinen Verkauf planen

08Risiken und Grenzen

Der Häuserpreisindex ist ein bundesweiter Durchschnitt. Ihre Wohnung kann sich besser oder schlechter entwickeln, je nach Lage, Zustand, Energieklasse und Hausgemeinschaft. Die Werte des letzten Quartals sind vorläufig und werden regelmäßig korrigiert.

Vergangene Wertsteigerungen sind keine Grundlage für künftige. Die Jahre 2010 bis 2021 hatten sinkende und dann extrem niedrige Zinsen, die so nicht wiederkommen müssen. Steigende Zinsen, Leerstand, Sanierungspflichten und eine schwächere Nachfrage in einer Region können Werte drücken.

Weiterlesen

Quellen

  • Eurostat: House price index, annual (prc_hpi_a) und quarterly (prc_hpi_q), Deutschland, 2015 = 100, Stand 01.10.2026 (abgerufen 14.10.2026)
  • Eurostat: HICP annual average indices (prc_hicp_aind), Deutschland, Stand 06.02.2026 (abgerufen 14.10.2026)
  • Statistisches Bundesamt: Preise für Wohnimmobilien im 2. Quartal 2026, Pressemitteilung Nr. 336 vom 24.09.2026 (abgerufen 14.10.2026)
  • § 23 EStG, § 32a EStG, §§ 3, 4 SolZG, gesetze-im-internet.de (abgerufen 14.10.2026)

FAQHäufige Fragen

Wie hoch ist die Wertsteigerung von Immobilien pro Jahr?

Das hängt vom Zeitraum ab. Nach dem amtlichen Häuserpreisindex waren es von 2005 bis 2025 im Schnitt 3,1 % pro Jahr, von 2015 bis 2025 4,3 % und von 2020 bis 2025 1,9 %. Nach Abzug der Inflation lagen die Werte zwischen −2,5 % und +1,7 % pro Jahr. Für die Zukunft folgt daraus kein bestimmter Wert.

Wie stark sind Immobilien in den letzten 10 Jahren im Wert gestiegen?

Von 2015 bis 2025 stieg der Häuserpreisindex um 52,7 %. Nach Abzug der Inflation von 31,9 % blieben 15,8 %. Gleichzeitig liegt der Index im 2. Quartal 2026 noch 8,3 % unter dem Hoch von 2022.

Steigen Immobilien immer im Wert?

Nein. 2023 fielen die Preise im Jahresdurchschnitt um 8,4 %, 2024 um 1,5 %, und auch 2006 und 2007 gingen sie zurück. Einzelne Wohnungen können sich je nach Lage und Zustand über viele Jahre schlechter entwickeln als der Durchschnitt.

Haben Neubau oder Bestand stärker zugelegt?

Seit Anfang 2019 stiegen Neubaupreise um 27,1 %, Bestandspreise um 22,5 %. Seit dem Hoch 2022 liegen Bestandsobjekte 10,0 % tiefer, Neubauten 0,7 % höher (Stand 2. Quartal 2026).

Muss ich eine Wertsteigerung versteuern?

Nur wenn Sie eine vermietete Immobilie innerhalb von zehn Jahren nach dem Kauf verkaufen. Dann ist der Gewinn mit Ihrem persönlichen Steuersatz steuerpflichtig, und die genutzte Abschreibung erhöht ihn. Nach Ablauf der Frist ist der Gewinn steuerfrei.

Wie berechne ich die Wertsteigerung meiner Immobilie?

Ziehen Sie vom heutigen Marktwert den Kaufpreis ab und teilen Sie das Ergebnis durch den Kaufpreis. Für den tatsächlichen Gewinn ziehen Sie zusätzlich Kaufnebenkosten, Verkaufskosten und gegebenenfalls Steuer ab. Den Marktwert schätzt am verlässlichsten ein Gutachten oder der Vergleich mit Verkäufen ähnlicher Wohnungen in der Lage.

Verliert eine Wohnung durch ihr Alter an Wert?

Das Gebäude nutzt sich ab, der Grund und Boden nicht. Ohne Instandhaltung und Modernisierung bleibt eine ältere Wohnung hinter dem Durchschnitt zurück. Ein Teil der Wertsteigerung im Index stammt deshalb vom Boden, ein anderer wird durch Investitionen der Eigentümer erkauft.