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Immobilienpreise sinken? Kaufen oder warten im Jahr 2026

Romolo Marini · 2026-10-14

Was sich seit 2022 verändert hat
−8,3 %
Preise seit dem Hoch
2. Quartal 2022 bis 2. Quartal 2026
3,81 %
Bauzins 5–10 Jahre
effektiv, August 2026
+67 %
höhere Rate trotz −11 % Preis
Beispiel: Warten von Anfang 2022 bis Anfang 2024
−8,6 %
Preisrückgang nötig
damit 0,5 Prozentpunkte mehr Zins die Rate nicht erhöhen

Sie haben eine Wohnung im Blick, die Finanzierung wäre machbar. Aber im Hinterkopf ist diese Stimme: Was, wenn die Preise in einem Jahr niedriger sind? Dann hätten Sie zu viel bezahlt. Also lieber warten?

Diese Frage hören wir in Beratungsgesprächen regelmäßig, in der einen oder anderen Form. Wir beantworten sie hier nicht mit einer Vorhersage, denn die kann niemand seriös machen. Wir zeigen stattdessen, was die amtlichen Daten heute sagen, wie Preis und Zins zusammenhängen und was Warten in drei Szenarien kostet oder bringt.

01„Die Bodenrichtwerte fallen“: sinken die Immobilienpreise gerade?

Aus unseren Gesprächen
„Die Automobilbranche kränkelt, die Bodenrichtwerte fallen …“

So hat es ein Interessent im Gespräch formuliert. Die Sorge ist berechtigt, die Antwort steht aber in den amtlichen Zahlen und nicht im Gefühl.

Das Statistische Bundesamt misst die Preise für Wohnimmobilien mit dem Häuserpreisindex. Er stieg bis zum 2. Quartal 2022 stark, fiel dann bis Anfang 2024 um 12,9 % und steigt seitdem langsam. Im 2. Quartal 2026 lag er 0,6 % über dem Vorjahr und 0,3 % über dem Vorquartal.

Häuserpreisindex (2015 = 100)WertVeränderung
2. Quartal 2022 (Hoch)167,4
1. Quartal 2024 (Tief)145,8−12,9 % zum Hoch
2. Quartal 2025152,6
2. Quartal 2026153,5+0,6 % zum Vorjahr

Quellen: Eurostat, Häuserpreisindex Deutschland, Stand 01.10.2026; Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 336 vom 24.09.2026.

Regional ist das Bild gemischt. Eigentumswohnungen in den sieben größten Städten wurden im 2. Quartal 2026 um 0,4 % günstiger als ein Jahr zuvor, in kreisfreien Großstädten außerhalb dieser Metropolen um 2,0 % teurer. In dicht besiedelten ländlichen Kreisen fielen die Wohnungspreise um 1,8 %. Es gibt also Märkte, in denen Preise sinken, und andere, in denen sie steigen. Mehr dazu im Ratgeber Immobilienblase in Deutschland.

Gleichzeitig steigen die Zinsen wieder. Die Europäische Zentralbank hat den Einlagesatz im Juni und im September 2026 auf zuletzt 2,50 % erhöht, die Inflation lag im September bei 3,3 %. Wohnungsbaukredite mit 5 bis 10 Jahren Zinsbindung kosteten laut Bundesbank im Januar 2026 effektiv 3,58 %, im August 3,81 %.

02„Warum ist der Zins so hoch?“ Preis und Zins gehören zusammen

Aus unseren Gesprächen
„Warum ist der 4,5-Prozent-Zins so hoch? Momentan sind wir doch bei 3,8, 3,9.“

Auch das ist eine echte Frage aus einem Beratungsgespräch. Sie zeigt, wie genau Käufer auf den Zins schauen, und zu Recht. Ein paar Zehntelprozent wirken über die Jahre stärker als viele Tausend Euro beim Preis.

Wer wartet, hofft meist auf einen niedrigeren Preis. Für Ihre monatliche Belastung zählt aber die Rate, und die hängt am Zins genauso wie am Preis. Die folgende Tabelle zeigt, wie viel eine Wohnung kosten dürfte, damit die Rate bei einem anderen Zins gleich bleibt.

Gleiche Rate, anderer Zins: welcher Preis passt?
ZinsKaufpreis für dieselbe RateVeränderung
Heute (Ausgang)3,81 %250.000 €
Zins sinkt um 0,5 Punkte3,31 %276.562 €+10,6 %
Zins steigt um 0,5 Punkte4,31 %228.485 €−8,6 %
Zins steigt auf 4,5 %4,50 %221.250 €−11,5 %
Rate jeweils 13.275 € im Jahr (Zins plus 1,5 % Anfangstilgung, vereinfacht als Jahresrate). Ausgangszins: Bundesbank, Effektivzinssatz 5–10 Jahre, August 2026. Eigene Berechnung.

Steigt der Zins um einen halben Prozentpunkt, muss der Preis um 8,6 % fallen, nur damit Sie dieselbe Rate zahlen. Sinkt der Zins um einen halben Punkt, darf die Wohnung über 10 % mehr kosten. Ein niedrigerer Preis bei höherem Zins ist also kein Schnäppchen. Er kann sogar teurer sein.

03Was Warten 2022 bis 2024 gebracht hätte

Dass das keine Theorie ist, zeigt der Rückblick. Nehmen wir an, jemand hätte Anfang 2022 eine Wohnung für 300.000 € kaufen können und entschied sich, auf fallende Preise zu warten. Er behielt recht, die Preise fielen tatsächlich.

Gekauft Anfang 2022 oder gewartet bis Anfang 2024
Kauf 1. Quartal 2022Kauf 1. Quartal 2024
Kaufpreis (nach Häuserpreisindex)300.000 €266.545 €
Effektivzins 5–10 Jahre1,19 %3,55 %
Rate im Jahr (Zins + 1,5 % Tilgung)8.070 €13.461 €
Unterschied+67 % Rate bei −11 % Preis
Häuserpreisindex Deutschland (Eurostat, 1. Q. 2022 = 164,1, 1. Q. 2024 = 145,8), Zinsen: Bundesbank, Januar 2022 und März 2024. Vereinfachte Jahresrate. Eigene Berechnung.

Der Wartende hat 33.455 € beim Preis gespart und zahlt dafür jedes Jahr 5.391 € mehr Rate, solange seine Zinsbindung läuft. Das soll nicht heißen, dass Warten immer falsch ist. Es heißt, dass „die Preise sinken“ allein kein Grund ist, und dass Preis und Zins sich oft gegenläufig bewegen.

Jährliche Rate für dieselbe Wohnung
Gekauft Anfang 2022
8.070 €
Gewartet bis Anfang 2024
13.461 €

04Kaufen heute: die ehrliche Rechnung

Bevor Sie Szenarien vergleichen, sollten Sie wissen, was eine typische vermietete Wohnung heute kostet. Hier ein Beispiel mit Zahlen von Oktober 2026. Thomas ist 44, ledig, hat ein zu versteuerndes Einkommen von 85.000 € und kauft eine Bestandswohnung. Thomas ist ausgedacht, die Zahlen sind ein Rechenbeispiel und keine Prognose.

Das erste Jahr: 65 m² für 250.000 €
im Jahrim Monat
Kaltmiete (11,50 €/m²)+8.970 €+748 €
Kreditrate (3,81 % Zins, 1,5 % Tilgung)−13.275 €−1.106 €
Nicht umlagefähige Kosten−1.100 €−92 €
Ergebnis vor Steuern−5.405 €−450 €
Steuerwirkung (Einkommensteuer und Soli)+2.576 €+215 €
Ergebnis nach Steuern−2.829 €−236 €
davon Tilgung im ersten Jahr3.750 €313 €
Kaufpreis voll finanziert, Kaufnebenkosten 25.000 € aus Eigenkapital. Abschreibung 2 % auf 75 % Gebäudeanteil von 275.000 € = 4.125 €. Absetzbar: Zinsen 9.525 €, Kosten 800 €, Abschreibung. Steuer nach § 32a EStG 2026, ledig, ohne Kirchensteuer. Eigene Berechnung, Stand 14.10.2026.

Vor Steuern zahlt Thomas 450 € im Monat zu, nach Steuern 236 €. Davon fließen 313 € in die Tilgung, sein Schuldenstand sinkt also schneller, als er zuzahlt. Ohne jede Wertsteigerung und ohne Mieterhöhung ist das der Preis dafür, dass er nach rund 34 Jahren eine schuldenfreie Wohnung besitzt, wenn der Zins über die ganze Laufzeit gleich bliebe. Ob er diesen Betrag dauerhaft tragen kann, auch bei Leerstand oder einer Reparatur, ist die eigentliche Kaufentscheidung.

Zur Steuer im Detail: Seine Einkünfte aus Vermietung liegen bei −5.480 €. Sein zu versteuerndes Einkommen sinkt damit von 85.000 € auf 79.520 €. Die Einkommensteuer fällt von 24.564 € auf 22.262 €, der Solidaritätszuschlag von 501,47 € auf 227,53 €. Den eigenen Fall rechnet der Rechner für Mieteinnahmen und Steuer.

Was bleibt von Ihrer Miete nach Steuern? Rechnen Sie Ihren eigenen Fall durch.

05„Gibt es die Möglichkeit, dass es nicht genauso läuft?“ Drei Szenarien für das Warten

Aus unseren Gesprächen
„Laut Kalkulation, nur wenn alles genauso läuft, sieht machbar aus … gibt es die Möglichkeit, dass es nicht genauso läuft?“

Die ehrlichste Antwort ist ja. Deshalb rechnen wir nicht mit einer Zukunft, sondern mit mehreren.

Angenommen, Thomas wartet zwei Jahre. Drei denkbare Entwicklungen, keine davon ist eine Erwartung.

Dieselbe Wohnung in zwei Jahren
Szenario ASzenario BSzenario C
Preisentwicklung−5 %unverändert+3 %
Zins (5–10 Jahre)3,30 %3,81 %4,50 %
Kaufpreis237.500 €250.000 €257.500 €
Kaufnebenkosten (10 %)23.750 €25.000 €25.750 €
Rate im Monat950 €1.106 €1.288 €
Rate heute zum Vergleich1.106 €1.106 €1.106 €

Nur in Szenario A lohnt sich das Warten, und auch dort nur, weil Preis und Zins gleichzeitig fallen. Steigt der Zins wie in Szenario C, zahlt Thomas 182 € mehr im Monat, obwohl die Wohnung nur 3 % teurer geworden ist. In allen drei Fällen fehlen ihm nach zwei Jahren rund 7.600 € Tilgung, die er beim sofortigen Kauf schon geleistet hätte. Dafür hat er in diesen zwei Jahren auch nichts zugezahlt und sein Eigenkapital behalten.

Monatliche Rate je nach Szenario
Kauf heute
1.106 €
A: Preis −5 %, Zins 3,3 %
950 €
B: alles gleich
1.106 €
C: Preis +3 %, Zins 4,5 %
1.288 €

06Wann Warten sinnvoll sein kann und wann nicht

Die Entscheidung hängt weniger am Markt als an Ihrer Lage. Diese Fragen helfen mehr als jede Prognose.

Fünf Fragen vor der Entscheidung
  1. 01
    Können Sie die Zuzahlung dauerhaft tragen?

    Rechnen Sie mit dem Ergebnis vor Steuern und ohne Mieterhöhung. Die Steuerwirkung kommt erst mit der Steuererklärung oder über einen Freibetrag.

  2. 02
    Haben Sie eine Reserve?

    Drei bis sechs Monatsraten auf dem Konto für Leerstand und Reparaturen sind eine verbreitete Faustregel.

  3. 03
    Passt der Preis zur Miete?

    Vergleichen Sie den Kaufpreisfaktor mit ähnlichen Wohnungen in derselben Lage, statt auf den Gesamtmarkt zu schauen.

  4. 04
    Ändert sich bei Ihnen etwas?

    Ein Jobwechsel, ein Eigenheimkauf oder eine Familienplanung in den nächsten zwei Jahren können gute Gründe sein, zu warten.

  5. 05
    Wie lange wollen Sie halten?

    Wer zehn Jahre und länger hält, für den wiegen kurzfristige Preisschwankungen weniger als Zins, Miete und Tilgung.

Warten kann sinnvoll sein, wenn
  • Ihre Reserve oder Ihr Eigenkapital noch nicht reicht
  • sich Ihre Einkommenslage bald ändert
  • der Kaufpreisfaktor deutlich über vergleichbaren Wohnungen liegt
Warten löst wenig, wenn
  • Ihre Rechnung heute schon tragfähig ist
  • Sie vor allem auf einen Preisrückgang ohne Zinsblick hoffen
  • Sie lange halten wollen und der Preis zur Miete passt

07Risiken und Grenzen

Weder Preise noch Zinsen lassen sich vorhersagen. Die Szenarien oben sind Annahmen, die Wirklichkeit kann außerhalb dieser Spanne liegen, in beide Richtungen. Wer kauft, kann einen Preisrückgang erleben, wer wartet, einen Zinsanstieg.

Auch die Beispielrechnung hat Grenzen. Sie geht von voller Vermietung ohne Ausfall aus, rechnet die Tilgung vereinfacht und nimmt eine Zinsbindung an, die über das erste Jahr hinausläuft. Nach Ende der Zinsbindung kann die Anschlussfinanzierung teurer werden. Hinzu kommen Leerstand, Instandhaltung, Sonderumlagen der Eigentümergemeinschaft und Änderungen im Steuer- oder Mietrecht.

Zum Zinsrisiko lesen Sie mehr im Glossar unter Zinsänderungsrisiko und Zinsbindung.

Weiterlesen

Quellen

  • Statistisches Bundesamt: Preise für Wohnimmobilien im 2. Quartal 2026, Pressemitteilung Nr. 336 vom 24.09.2026 (abgerufen 14.10.2026)
  • Statistisches Bundesamt: Inflationsrate im September 2026, Pressemitteilung Nr. 348 vom 30.09.2026 (abgerufen 14.10.2026)
  • Eurostat: House price index, quarterly (prc_hpi_q), Deutschland, 2015 = 100, Stand 01.10.2026 (abgerufen 14.10.2026)
  • Deutsche Bundesbank: Zinssätze und Volumina für das Neugeschäft der deutschen Banken, Wohnungsbaukredite an private Haushalte, Stand 01.10.2026 (abgerufen 14.10.2026)
  • Europäische Zentralbank: Key ECB interest rates, ecb.europa.eu (abgerufen 14.10.2026)
  • § 32a EStG, §§ 7, 9, 21 EStG, §§ 3, 4 SolZG, gesetze-im-internet.de (abgerufen 14.10.2026)

FAQHäufige Fragen

Werden die Immobilienpreise 2026 sinken?

Das lässt sich nicht vorhersagen. Nach den amtlichen Daten stiegen die Preise im 2. Quartal 2026 um 0,6 % zum Vorjahr, nachdem sie von Mitte 2022 bis Anfang 2024 um 12,9 % gefallen waren. Regional gibt es Märkte mit sinkenden und mit steigenden Preisen.

Wann sinken die Immobilienpreise wieder?

Niemand kennt den Zeitpunkt. Preise reagieren unter anderem auf Zinsen, Einkommen, Bautätigkeit und die regionale Nachfrage. Steigende Zinsen können Preise drücken, gleichzeitig machen sie die Finanzierung teurer.

Gibt es eine Immobilienkrise in Deutschland?

Nach dem Zinsanstieg 2022 gab es einen deutlichen Preisrückgang. Seit 2024 steigen die Preise wieder leicht. Ob man das als Krise bezeichnet, hängt vom Blickwinkel ab; die Daten zeigen keinen Zusammenbruch, aber einen Markt, der sich auf höhere Zinsen eingestellt hat.

Was ist wichtiger, Preis oder Zins?

Für die monatliche Belastung oft der Zins. In unserem Beispiel gleichen 0,5 Prozentpunkte mehr Zins einen Preisrückgang von 8,6 % aus. Für den späteren Verkauf und die Steuer zählt dagegen der Preis.

Lohnt es sich, auf niedrigere Zinsen zu warten?

Nur wenn sie tatsächlich kommen. Im August 2026 lag der Effektivzins für 5 bis 10 Jahre bei 3,81 %, im Januar 2026 bei 3,58 %. Die EZB hat ihre Leitzinsen 2026 zweimal erhöht. Eine Anschlussfinanzierung später zu niedrigeren Zinsen ist möglich, aber nicht planbar.

Was kostet es mich, zwei Jahre zu warten?

In unserem Beispiel fehlen nach zwei Jahren rund 7.600 € Tilgung. Dafür zahlen Sie in dieser Zeit nichts zu und behalten Ihr Eigenkapital. Ob sich das lohnt, hängt davon ab, wie sich Preis und Zins bis dahin entwickeln.

Sind Immobilienpreis-Prognosen verlässlich?

Prognosen von Instituten und Banken unterscheiden sich oft deutlich und werden regelmäßig korrigiert. Wir verwenden deshalb keine Prognose, sondern Szenarien. Für Ihre Entscheidung ist wichtiger, ob die Rechnung in allen realistischen Szenarien tragbar bleibt.

Soll ich jetzt kaufen oder warten?

Das können nur Sie entscheiden, und es hängt an Ihrer Lage: Reserve, Einkommen, Pläne und die Frage, ob die Zuzahlung vor Steuern dauerhaft tragbar ist. Ein Erstgespräch kann helfen, die Zahlen für ein konkretes Objekt durchzugehen, ohne dass Sie sich festlegen.