Rentenlücke berechnen: in 4 Schritten zur echten Zahl
Die Zahl in Ihrer Renteninformation ist brutto. Wir zeigen, wie Sie daraus Ihre echte Rentenlücke berechnen, mit Krankenkasse und Steuer, und was eine vermietete Wohnung davon schließen kann.
Die Renteninformation liegt auf dem Küchentisch. Unten steht eine Zahl, die auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aussieht. Dann fällt Ihnen ein, dass davon noch Krankenkasse und Steuer abgehen. Und dass Ihr Leben in 25 Jahren mehr kosten wird als heute.
Genau hier beginnt die Rentenlücke. Gemeint ist der Betrag, der Ihnen im Ruhestand jeden Monat fehlt, um so zu leben, wie Sie es sich vorstellen. Die meisten unterschätzen ihn, weil sie mit der Bruttorente rechnen.
Wir zeigen, wie Sie Ihre Lücke in vier Schritten berechnen, mit einem durchgerechneten Beispiel für 2026. Danach geht es um die Frage, was eine vermietete Wohnung davon schließen kann und was nicht.
01Was die Rentenlücke ist und warum die Renteninformation täuscht
Die Deutsche Rentenversicherung schickt jedem Versicherten ab 27 einmal im Jahr eine Renteninformation, ab 55 alle drei Jahre eine ausführlichere Rentenauskunft (§ 109 SGB VI). Darin steht, welche Altersrente Sie bekämen, wenn Sie bis zur Regelaltersgrenze weiter so einzahlen wie zuletzt. Für alle ab Jahrgang 1964 liegt diese Grenze bei 67 Jahren.
Die Zahl hat drei Haken. Sie ist brutto, also vor Krankenkasse, Pflege und Steuer. Sie ist in heutigem Geld gerechnet, während die Preise bis zu Ihrem Rentenbeginn weiter steigen. Und die Hochrechnung mit künftigen Rentenanpassungen, die ebenfalls im Schreiben steht, sieht größer aus, als sie sich später anfühlt.
Zur Einordnung: Die durchschnittliche gesetzliche Altersrente lag Ende 2025 bei rund 1.195 € im Monat, nach Kranken- und Pflegeversicherung, aber vor Steuer (Deutsche Rentenversicherung, Stand 31.12.2025). Das Rentenniveau ist mit dem Rentenpaket 2025 bis 2031 auf 48 % festgeschrieben. Was danach gilt, ist offen.
02Rentenlücke berechnen in vier Schritten
Sie brauchen dafür nur Ihre Renteninformation, Ihre letzte Gehaltsabrechnung und eine ehrliche Vorstellung davon, was Sie im Alter ausgeben.
- 01Bruttorente ablesen
Nehmen Sie aus der Renteninformation die „Höhe Ihrer künftigen Regelaltersrente“ ohne Hochrechnung. Haben Sie Betriebsrenten oder Riester-Verträge, notieren Sie deren Beträge getrennt.
- 02Nettorente ausrechnen
Ziehen Sie als Pflichtversicherter rund 12,4 % für Kranken- und Pflegeversicherung ab (kinderlos rund 13 %). Danach die Einkommensteuer: Bei Rentenbeginn 2026 sind 84 % der Rente steuerpflichtig, bei späterem Beginn mehr.
- 03Bedarf festlegen
Faustregel 70 bis 80 % Ihres heutigen Nettos. Genauer wird es, wenn Sie Ihre Ausgaben aufschreiben: Miete oder Hausgeld, Lebensmittel, Auto, Reisen, Gesundheit. Fällt im Alter eine Kreditrate weg, ziehen Sie sie ab.
- 04Lücke bilden
Bedarf minus Nettorente aus allen Quellen ergibt Ihre monatliche Lücke. Mal 12 mal Rentenjahre zeigt, welches Kapital dafür nötig wäre, noch ohne Zinsen und Inflation.
Der zweite Schritt ist der, den die meisten auslassen. Bei mittleren Renten ist die Steuer klein, die Krankenkasse aber nicht. Bei höheren Renten kommen beide spürbar dazu.

03Beispiel: Markus, 42, rechnet seine Lücke aus
Markus ist 42, ledig, angestellt, verdient 4.500 € brutto und hat rund 2.900 € netto. Seine Renteninformation nennt eine Regelaltersrente von 1.650 € im Monat ab 67. Er ist gesetzlich versichert und wird als Rentner voraussichtlich in der Krankenversicherung der Rentner sein. Der Name ist ausgedacht, die Zahlen sind ein Rechenbeispiel und keine Prognose.
Weil wir in heutigem Geld rechnen, nehmen wir auch die heutigen Regeln: Beitragssätze 2026 und Besteuerung wie bei Rentenbeginn 2026.
| Bruttorente laut Renteninformation | 1.650 € |
|---|---|
| Krankenversicherung 7,3 % plus halber Zusatzbeitrag 1,45 % | −144 € |
| Pflegeversicherung 3,6 % (mit Kindern; kinderlos 4,2 %) | −59 € |
| Einkommensteuer (zvE 14.048 € im Jahr, Steuer 264 €) | −22 € |
| Nettorente | 1.424 € |
| Bedarf: 80 % von 2.900 € Netto heute | 2.320 € |
| Rentenlücke pro Monat | −896 € |
Von 1.650 € auf dem Papier bleiben Markus 1.424 €. Ihm fehlen jeden Monat rund 896 €. Über 20 Rentenjahre sind das rund 215.000 €, in heutigem Geld und ohne Zinsen gerechnet.
Geht Markus erst in 25 Jahren in Rente, wird sein steuerpflichtiger Rentenanteil höher sein als 84 %. Die Steuer steigt dann etwas, die Lücke wird eher größer als kleiner.
04Tabelle: Nettorente bei typischen Bruttorenten
Wer nicht selbst rechnen will, findet hier Orientierungswerte. Gerechnet wurde wie bei Markus: ledig, pflichtversichert in der Krankenversicherung der Rentner, mit Kindern, ohne andere Einkünfte, Rentenbeginn 2026.
| Bruttorente im Monat | Kranken- und Pflegeversicherung | Einkommensteuer im Monat | Nettorente |
|---|---|---|---|
| 1.200 € | 148 € | 0 € | 1.052 € |
| 1.500 € | 185 € | 5 € | 1.310 € |
| 1.800 € | 222 € | 42 € | 1.536 € |
| 2.100 € | 259 € | 89 € | 1.752 € |
| 2.400 € | 296 € | 141 € | 1.962 € |
Bei Verheirateten mit Zusammenveranlagung fällt die Steuer meist niedriger aus. Haben Sie Betriebsrenten, Mieteinnahmen oder Kapitalerträge, steigt sie. Die Tabelle ersetzt keine Steuerberechnung, sie zeigt aber die Größenordnung.

05Wie Sie die Lücke schließen können
Es gibt im Wesentlichen vier Wege. Die meisten Menschen kombinieren zwei oder drei davon. Welche Mischung zu Ihnen passt, hängt von Ihrem Alter, Ihrem Steuersatz, Ihrer Risikobereitschaft und davon ab, ob Sie Geld lieber verfügbar oder gebunden halten.
| Weg | Was er bringt | Wo die Grenze liegt |
|---|---|---|
| Länger arbeiten oder später in Rente | jeder Monat nach der Regelaltersgrenze erhöht die Rente um 0,5 % und verkürzt die Rentenzeit | hängt an Gesundheit und Arbeitgeber |
| Betriebliche Altersvorsorge | Beiträge aus dem Brutto, oft mit Zuschuss des Arbeitgebers | im Alter steuerpflichtig, dazu Kranken- und Pflegebeiträge (für die Krankenversicherung mit Freibetrag) |
| Private Geldanlage und Vorsorgeverträge | flexibel, ab kleinen Beträgen | Erträge schwanken oder sind gering, je nach Produkt |
| Vermietete Immobilie | Mieteinnahmen im Alter, nach der Tilgung ohne Kreditrate | gebunden, Verwaltungsaufwand, Leerstand und Reparaturen |
Welche Geldanlage für Sie die richtige ist, können wir an dieser Stelle nicht beurteilen. Wir beraten zu Kapitalanlage-Immobilien. Deshalb schauen wir uns im nächsten Abschnitt genauer an, was eine vermietete Wohnung zur Lücke beitragen kann.
06„Muss ich monatlich etwas dazuzahlen?“
Diese Frage hören wir in fast jedem Gespräch über eine vermietete Wohnung. Für die Rentenlücke ist sie die entscheidende, denn eine Wohnung hilft im Alter erst dann richtig, wenn sie abbezahlt ist. Bis dahin kostet sie meist Geld.
Bleiben wir bei Markus. Angenommen, er kauft mit 42 eine vermietete Wohnung und hat sie mit 67 abbezahlt. Was der Kauf bis zur Rente kostet, rechnet der Ratgeber Immobilie als Altersvorsorge Jahr für Jahr durch. Hier geht es um die Zeit danach.
| Kaltmiete (12 × 750 €) | 9.000 € |
|---|---|
| nicht umlagefähige Kosten (Verwaltung, Rücklage, Reparaturen) | −1.080 € |
| Cashflow vor Steuern | 7.920 € |
| Abschreibung (nur steuerlich, kein Geldabfluss) | −3.000 € |
| Überschuss aus Vermietung | 4.920 € |
| Mehr Einkommensteuer (zvE 14.048 € → 18.968 €) | −1.053 € |
| Bleibt nach Steuern | 6.867 € |
| Pro Monat | 572 € |
Die Wohnung würde in diesem Beispiel rund 572 € von Markus' 896 € schließen, knapp zwei Drittel. Den Rest müsste er anders decken, etwa über eine Betriebsrente oder Erspartes. Und sie würde ihm im Notfall als Vermögen zur Verfügung stehen, das er verkaufen oder vererben kann.
Ohne Abschreibung, etwa bei einer sehr alten Wohnung, läge die Steuer höher und der Betrag nach Steuern bei rund 510 € im Monat. Mit einem Restdarlehen bei Rentenbeginn wäre er deutlich kleiner.
Rechnen Sie aus, was eine Wohnung mit Ihrem Steuersatz im Ruhestand netto bringt.
„In meinem Alter keine 20-Jahres-Bindung mehr.“
So oder ähnlich sagen es Interessenten ab Mitte 50. Der Satz ist berechtigt. Banken finanzieren ab einem gewissen Alter nur noch mit kürzerer Laufzeit oder mehr Eigenkapital, die Rate steigt. Wer die Lücke mit einer Wohnung schließen will, hat deshalb mit 40 mehr Spielraum als mit 58. Mehr dazu im Ratgeber Kapitalanlage-Immobilie ab 50.
- bis zum Rentenbeginn noch 15 bis 25 Jahre Zeit sind
- Ihr Einkommen eine monatliche Zuzahlung in den ersten Jahren verkraftet
- Sie Geld langfristig binden können und eine Reserve haben
- Sie das Geld in wenigen Jahren brauchen könnten
- Ihre Lücke klein ist und eine Betriebsrente sie schon weitgehend schließt
- Sie sich mit Mietern, Hausgeld und Eigentümerversammlungen nicht beschäftigen wollen
07Risiken und Grenzen der Rechnung
Jede Rentenlücken-Rechnung beruht auf Annahmen. Die größte ist die Inflation. Wir rechnen in heutigem Geld, damit Sie die Zahlen mit Ihrem heutigen Leben vergleichen können. Steigen die Preise schneller als die Renten, wird die Lücke größer.
Die zweite Annahme ist die Rentenpolitik. Das Rentenniveau von 48 % ist bis 2031 gesetzlich festgeschrieben. Für die Jahre danach gibt es Vorschläge, aber keine Festlegung. Auch Beitragssätze in Kranken- und Pflegeversicherung ändern sich fast jedes Jahr.
Bei der Wohnung kommen eigene Risiken hinzu: Leerstand, Mietausfall, größere Reparaturen am Gemeinschaftseigentum, steigendes Hausgeld, Zinsen bei der Anschlussfinanzierung. Eine Miete, die mit den Preisen Schritt hält, ist eine Annahme, keine Zusage. Rechnen Sie mit einer Reserve von mehreren Monatsmieten.
Und schließlich der Pflegefall. Pflege im Alter kostet oft mehr, als Rente und Pflegeversicherung decken. Planen Sie dafür einen Puffer ein, egal welchen Weg Sie wählen.
FAQHäufige Fragen
Wie berechne ich meine Rentenlücke?
Ziehen Sie von Ihrer Bruttorente aus der Renteninformation Kranken- und Pflegeversicherung (rund 12,4 %) und die Einkommensteuer ab. Das ist Ihre Nettorente. Setzen Sie Ihren Bedarf an, zum Beispiel 80 % Ihres heutigen Nettos. Die Differenz ist Ihre monatliche Rentenlücke.
Wie hoch ist die durchschnittliche Rentenlücke?
Eine amtliche Zahl dafür gibt es nicht, weil die Lücke vom eigenen Bedarf abhängt. Zur Orientierung: Die durchschnittliche Altersrente lag Ende 2025 bei rund 1.195 € nach Kranken- und Pflegeversicherung. Wer heute 2.900 € netto verdient, käme bei einer Bruttorente von 1.650 € auf eine Lücke von rund 900 € im Monat.
Rechne ich mit brutto oder netto?
Mit netto. Die Renteninformation nennt eine Bruttorente. Davon gehen als Pflichtversicherter 2026 rund 12,4 % für Kranken- und Pflegeversicherung ab, kinderlos etwas mehr, und je nach Höhe Einkommensteuer.
Wie viel Prozent meines Nettos brauche ich im Alter?
Viele Planer rechnen mit 70 bis 80 %. Wer im Alter mietfrei wohnt und keine Kredite mehr hat, kommt oft mit weniger aus. Wer viel reisen will oder zur Miete wohnt, braucht eher mehr. Genauer wird es mit einer eigenen Ausgabenliste.
Wie viel Kapital brauche ich, um die Rentenlücke zu schließen?
Als grobe Größe: Lücke mal 12 mal Rentenjahre. Bei 900 € und 20 Jahren sind das rund 215.000 € in heutigem Geld, ohne Zinsen. Erträge auf das Kapital senken den Bedarf, Inflation und ein langes Leben erhöhen ihn.
Kann eine Immobilie die Rentenlücke schließen?
Teilweise. Eine abbezahlte vermietete Wohnung mit 750 € Kaltmiete bringt im Beispiel nach Kosten und Steuer rund 570 € im Monat. Bis sie abbezahlt ist, kostet sie aber meist eine monatliche Zuzahlung, und Leerstand oder Reparaturen können das Ergebnis schmälern.
Ab wann sollte ich meine Rentenlücke berechnen?
So früh wie möglich, spätestens mit Anfang 40. Je mehr Jahre bis zur Rente bleiben, desto kleiner sind die monatlichen Beträge, die Sie für das Schließen der Lücke brauchen, und desto mehr Wege stehen offen.
Werden Mieteinnahmen auf meine Rente angerechnet?
Auf die eigene Altersrente nicht. Auf eine Witwen- oder Witwerrente nach neuem Recht schon. Und wer im Alter freiwillig gesetzlich versichert ist, zahlt Krankenkassenbeiträge auf den Mietüberschuss.
Weiterlesen
Quellen
- §§ 35, 109 SGB VI (Regelaltersgrenze, Renteninformation und Rentenauskunft), gesetze-im-internet.de, abgerufen am 14.10.2026
- § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Doppelbuchst. aa EStG (Besteuerungsanteil der Rente), § 32a EStG in der Fassung für 2026 (BGBl. 2024 I Nr. 449)
- §§ 247, 249a SGB V und § 59 SGB XI (Beiträge aus der Rente); durchschnittlicher Zusatzbeitrag 2026 2,9 % (Bekanntmachung BMG)
- Deutsche Rentenversicherung, Rentenversicherung in Zahlen, durchschnittlicher Zahlbetrag der Altersrenten, Stand 31.12.2025
- Rentenpaket 2025 (Haltelinie 48 %), Zustimmung des Bundesrats am 19.12.2025, berichtet u. a. von pwc.de, abgerufen am 14.10.2026
- Keyword-Daten: Semrush, Datenbank Deutschland, Stand 14.10.2026

Schreibt über Finanzierung und Kalkulation, Steuern und Pflegeimmobilien.
Michael verbindet seine Erfahrung als Banker und ehemaliger Portfolio Manager im Family Office mit der Praxis als eigener Immobilieninvestor. Er schreibt über belastbare Kalkulationen, Finanzierung, Risiken und strategischen Portfolioaufbau.
Dieser Ratgeber ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Steuer-, Renten- oder Anlageberatung. Ihre Rentenansprüche bestätigt die Deutsche Rentenversicherung.



