Ratgeber · Bestand & Portfolio

    Instandhaltungskosten: So viel sollten Vermieter planen

    Ein Euro pro Quadratmeter im Monat ist die bekannteste Faustregel. Wir zeigen, warum sie für ältere Wohnungen oft zu knapp ist, wie Sie Instandhaltung für Gemeinschaft und eigene Wohnung getrennt planen und was davon steuerlich wann zählt.


    Investmentberater bei InvestImmo.de
    16. Oktober 20268 Min. Lesezeit
    Instandhaltung einer 65-m²-Wohnung, Baujahr 1994
    780 €
    Faustregel pro Jahr
    1 € je m² und Monat
    1.210 €
    nach II. BV 2026
    18,62 € je m², ab 32 Jahren
    3.047 €
    nach Petersscher Formel
    Gemeinschaft und Wohnung zusammen
    118 €
    eigene Rücklage pro Monat
    für Bad, Küche, Böden, Maler

    Sie rechnen eine Wohnung durch und kommen zur Zeile Instandhaltung. Im Exposé steht nichts, der Makler sagt „ein Euro pro Quadratmeter“. Für eine Wohnung aus den Neunzigern klingt das wenig, aber Sie haben keine bessere Zahl.

    Instandhaltung ist der Kostenblock, der in den meisten Rechnungen am ungenauesten ist. Er kommt nicht jeden Monat, sondern in Sprüngen: zehn Jahre fast nichts, dann ein neues Bad und eine Sonderumlage für das Dach. Wer ihn zu niedrig ansetzt, rechnet sich die Wohnung schön.

    01Was Instandhaltung umfasst

    Instandhaltung heißt, einen Bauteil funktionsfähig zu halten: Heizung warten, Dachrinne reinigen, Fenster abdichten. Instandsetzung heißt, etwas zu reparieren oder zu ersetzen, das kaputt oder verschlissen ist. Im Alltag fasst man beides unter Instandhaltung zusammen. Das Wohnungseigentumsgesetz spricht von Erhaltung.

    Davon zu trennen ist die Modernisierung. Wer statt der alten Fenster dreifach verglaste einbaut oder einen Aufzug nachrüstet, verbessert das Haus. Das kostet mehr als die reine Erhaltung und folgt anderen Regeln, etwa bei der Mieterhöhung. Mehr dazu im Ratgeber Modernisierungsumlage.

    02Gemeinschaft und eigene Wohnung

    Bei einer Eigentumswohnung zahlen Sie Instandhaltung auf zwei Wegen.

    BereichBeispieleWer zahlt, wie
    GemeinschaftseigentumDach, Fassade, Fenster (meist), Treppenhaus, Leitungsstränge, Zentralheizungalle Eigentümer, über die Erhaltungsrücklage im Hausgeld und bei Bedarf eine Sonderumlage
    SondereigentumBad, Küche, Bodenbeläge, Innentüren, Wände innenSie allein, aus eigener Rücklage

    Was genau wozu gehört, regelt die Teilungserklärung. Fenster gehören zum Beispiel fast immer zum Gemeinschaftseigentum, auch wenn sie in Ihrer Wohnung sind.

    Die Gemeinschaft muss eine angemessene Erhaltungsrücklage bilden (§ 19 Abs. 2 Nr. 4 WEG). Was angemessen ist, sagt das Gesetz nicht. Die Höhe beschließt die Versammlung mit dem Wirtschaftsplan. Viele Gemeinschaften halten das Hausgeld niedrig, damit die Wohnungen beim Verkauf günstig wirken. Das rächt sich später mit Sonderumlagen.

    Aus unseren Gesprächen
    „Wie viel Prozent Instandhaltung nehmt ihr an? Das erscheint mir recht wenig.“

    Diese Frage stellte ein Kunde in einem Beratungsgespräch, und sie war berechtigt. Eine Rechnung mit zu wenig Instandhaltung sieht besser aus, als die Wohnung ist. Deshalb zeigen wir unten drei Methoden nebeneinander und rechnen mit der vorsichtigeren.

    Prüfung der gemeinschaftlichen Heizungsanlage eines Wohngebäudes
    KI-generiertes Symbolbild

    03Drei Methoden im Vergleich

    Faustregel. 1 € je m² Wohnfläche und Monat, also 12 € je m² und Jahr. Einfach, aber ohne Bezug zum Alter des Hauses.

    II. Berechnungsverordnung. Sie legt in § 28 Pauschalen für die Wirtschaftlichkeitsberechnung fest. Gedacht ist sie für preisgebundenen Wohnraum, als Orientierung nutzen sie auch Banken und Gutachter. Die Pauschalen steigen mit dem Alter der Wohnung und werden alle drei Jahre an die Preisentwicklung angepasst.

    Alter der Wohnung (Bezugsfertigkeit am Jahresende)Pauschale 2026 je m² und Jahr
    unter 22 Jahre11,50 €
    ab 22 Jahre14,58 €
    ab 32 Jahre18,62 €

    Die Werte gelten ab 01.01.2026 nach einer Erhöhung um 8,37 %, so Haus + Grund München in einer Mitteilung vom 05.12.2025. Für Aufzug, Sammelheizung oder Kleinreparaturen durch den Mieter gibt es Zu- und Abschläge.

    Peterssche Formel. Sie geht von den Herstellungskosten aus. Über 80 Jahre fallen danach rund das 1,5-Fache der Herstellungskosten für Instandhaltung an. Bei einer Eigentumswohnung entfallen davon etwa 65 bis 70 % auf das Gemeinschaftseigentum.

    Jährliche Instandhaltung = Herstellungskosten je m² × 1,5 ÷ 80 × Wohnfläche

    Drei Methoden für eine 65-m²-Wohnung, bezugsfertig 1994
    je m² und Jahrpro Jahr
    Faustregel 1 € je m² und Monat12,00 €780 €
    II. BV 2026, ab 32 Jahre18,62 €1.210 €
    Peterssche Formel, 2.500 € Herstellungskosten je m² (Annahme)46,88 €3.047 €
    davon Gemeinschaftseigentum 70 %32,81 €2.133 €
    davon eigene Wohnung 30 %14,06 €914 €
    Zum Vergleich: Rücklage im Hausgeld (Beispiel)10,80 €702 €
    Herstellungskosten und Aufteilung sind Annahmen. Eigene Berechnung, Stand 16.10.2026.

    Die Spanne ist groß. Die Faustregel liefert ein Viertel dessen, was die Peterssche Formel ergibt. Die Wahrheit liegt meist dazwischen, und sie hängt am Zustand des Hauses. Ein Haus, in dem Dach und Leitungen vor fünf Jahren erneuert wurden, braucht weniger. Eines, in dem seit dem Bau wenig passiert ist, eher mehr.

    Wichtig ist die letzte Zeile. Im Beispiel zahlt der Eigentümer 0,90 € je m² und Monat in die Rücklage der Gemeinschaft, also 702 € im Jahr. Nach der Petersschen Formel bräuchte das Gemeinschaftseigentum rund 2.133 €. Die Lücke von rund 1.430 € im Jahr verschwindet nicht. Sie kommt später als höheres Hausgeld oder als Sonderumlage.

    Rücklage im Hausgeld und Bedarf nach Petersscher Formel
    Rücklage im Hausgeld
    702 €
    Bedarf Gemeinschaft (Peterssche Formel)
    2.133 €
    Werte pro Jahr für die Beispielwohnung, eigene Berechnung, Stand 16.10.2026.

    04Die eigene Wohnung planen

    Für das Sondereigentum hilft eine einfache Liste: Was muss in der Wohnung irgendwann ersetzt werden, was kostet es und wie lange hält es? Teilen Sie die Kosten durch die Jahre, dann haben Sie eine jährliche Rücklage.

    Bauteil in der WohnungKosten (Annahme)hält etwapro Jahr
    Bad mit Fliesen und Sanitär12.000 €25 Jahre480 €
    Einbauküche, falls mitvermietet6.000 €15 Jahre400 €
    Bodenbeläge3.000 €15 Jahre200 €
    Malerarbeiten bei Mieterwechsel1.500 €8 Jahre188 €
    Kleinreparaturen––150 €
    Summe1.418 €

    Das sind rund 118 € im Monat für die Beispielwohnung, zusätzlich zur Rücklage im Hausgeld. Die Kosten sind Annahmen für eine durchschnittliche Ausstattung. Prüfen Sie beim Kauf, wie alt Bad und Küche sind. Ein Bad, das schon 20 Jahre alt ist, kommt in Ihrer Rechnung bald, nicht in 25 Jahren.

    Prüfung von Grundriss, Kaufpreis und laufenden Kosten einer Wohnung
    KI-generiertes Symbolbild

    05Wann Instandhaltung steuerlich zählt

    Für Vermieter sind Instandhaltungskosten Werbungskosten. Der Zeitpunkt unterscheidet sich aber.

    Rücklage der Gemeinschaft. Das Hausgeld, das in die Erhaltungsrücklage fließt, dürfen Sie nicht im Jahr der Zahlung absetzen. Abziehbar wird es erst, wenn die Gemeinschaft das Geld für eine Erhaltung ausgibt (BFH, Urteil vom 14.01.2025, IX R 19/24). Den Betrag finden Sie in der Jahresabrechnung der Verwaltung.

    Eigene Wohnung. Was Sie in Ihrer Wohnung reparieren oder ersetzen, setzen Sie im Jahr der Zahlung ab. Größeren Erhaltungsaufwand dürfen Sie auf zwei bis fünf Jahre verteilen (§ 82b EStDV). Erneuern Sie zum Beispiel das Bad für 12.000 €, spart das bei einem zu versteuernden Einkommen von 60.000 € als Single 4.381 € Einkommensteuer: Die Steuer sinkt von 14.233 € auf 9.852 € (§ 32a EStG 2026).

    06Instandhaltung in die Kaufrechnung übernehmen

    So kommen Sie zu einer belastbaren Zahl
    1. 01
      Hausgeld aufteilen

      Lesen Sie im Wirtschaftsplan ab, wie viel Ihres Hausgelds in die Rücklage fließt.

    2. 02
      Rücklage pro m² prüfen

      Teilen Sie die Rücklage der Gemeinschaft durch die gesamte Wohnfläche. Vergleichen Sie das mit dem Bedarf nach II. BV oder Petersschen Formel.

    3. 03
      Anstehende Maßnahmen lesen

      Die Protokolle der letzten drei Jahre zeigen, was geplant ist. Siehe Protokolle der Eigentümerversammlung prüfen.

    4. 04
      Eigene Wohnung schätzen

      Alter von Bad, Küche und Böden notieren und mit der Tabelle oben eine Monatsrücklage bilden.

    5. 05
      Mit dem vorsichtigeren Wert rechnen

      Setzen Sie in Ihrer Kaufrechnung den höheren Betrag an. Mit dem Cashflow-Rechner sehen Sie sofort, was das für Ihren Monat bedeutet.

    07Risiken und Grenzen

    Zu kleine Rücklage. Eine Gemeinschaft mit niedriger Rücklage und altem Haus wird früher oder später Geld nachfordern. Das ist das größte Risiko bei älteren Eigentumswohnungen. Wie Sie es erkennen, zeigt der Ratgeber Sanierungsstau erkennen.

    Sprünge statt gleichmäßiger Kosten. Selbst eine gut geplante Rücklage glättet die Kosten nur auf dem Papier. Eine Sonderumlage für eine Strangsanierung kann in einem Jahr mehrere tausend Euro kosten.

    Baupreise. Handwerkerleistungen sind in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Eine Rücklage, die vor zehn Jahren gereicht hätte, reicht heute oft nicht mehr. Lassen Sie die Werte in Ihrer Rechnung nicht jahrzehntelang unverändert.

    Leerstand bei Renovierung. Wer ein Bad zwischen zwei Mietern erneuert, verliert ein bis zwei Monatsmieten. Planen Sie das in die Kosten ein.

    Gute Lage
    • Die Rücklage liegt nahe am Bedarf nach II. BV oder darüber
    • Große Maßnahmen wie Dach und Leitungen sind erledigt oder voll finanziert
    • Bad und Küche sind höchstens zehn Jahre alt
    Warnsignal
    • Die Rücklage liegt bei wenigen Euro je m² Wohnfläche
    • In den Protokollen werden Maßnahmen Jahr für Jahr verschoben
    • Ihre Kaufrechnung setzt für Instandhaltung weniger als die Faustregel an

    FAQHäufige Fragen

    Wie hoch sind die Instandhaltungskosten pro Quadratmeter?

    Als Faustregel gilt 1 € je m² und Monat. Die II. Berechnungsverordnung setzt 2026 je nach Alter 11,50 bis 18,62 € je m² und Jahr an. Für ältere Häuser mit wenig erledigten Maßnahmen ist die Peterssche Formel vorsichtiger und ergibt oft deutlich mehr.

    Was ist die Peterssche Formel?

    Eine Faustformel für die jährliche Instandhaltung: Herstellungskosten je m² mal 1,5, geteilt durch 80 Jahre, mal Wohnfläche. Bei Eigentumswohnungen entfallen davon etwa 65 bis 70 % auf das Gemeinschaftseigentum.

    Sind Instandhaltungskosten im Hausgeld enthalten?

    Nur der Teil für das Gemeinschaftseigentum, als Zuführung zur Erhaltungsrücklage und für laufende Reparaturen. Kosten in Ihrer eigenen Wohnung zahlen Sie zusätzlich.

    Kann ich Instandhaltungskosten auf den Mieter umlegen?

    Nein. Instandhaltung und Instandsetzung sind keine umlagefähigen Betriebskosten. Ausnahmen gibt es nur für Kleinreparaturen, wenn der Mietvertrag eine wirksame Klausel enthält.

    Sind Zahlungen in die Instandhaltungsrücklage steuerlich absetzbar?

    Nicht im Jahr der Zahlung. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs von 2025 werden sie erst Werbungskosten, wenn die Gemeinschaft das Geld für eine Erhaltung ausgibt.

    Wie viel Instandhaltungsrücklage ist angemessen?

    Das Gesetz nennt keine Zahl. Als Orientierung dienen die Pauschalen der II. BV und die Peterssche Formel. Wichtiger als ein Durchschnittswert ist, ob die Rücklage die Maßnahmen deckt, die in den nächsten Jahren anstehen.

    Was passiert mit meiner Rücklage beim Verkauf?

    Die Rücklage gehört der Gemeinschaft, nicht dem einzelnen Eigentümer. Sie bleibt beim Verkauf in der Gemeinschaft. Eine hohe Rücklage kann aber ein Argument im Verkaufsgespräch sein.

    Weiterlesen

    Quellen

    Alle Quellen abgerufen am 16.10.2026.

    Geschrieben von
    Investmentberater bei InvestImmo.de

    Schreibt über Steuern, AfA, Bestandsimmobilien und Portfolioaufbau.

    Eduard hat seit 2020 sieben eigene Immobilien gekauft und mehr als 150 Mandanten begleitet. Er schreibt über Steuerhebel, Objektunterlagen und Portfolioaufbau – mit ehrlichen Zahlen statt Schönrechnerei.

    Dieser Ratgeber ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung im Einzelfall. Alle Zahlen sind Beispielrechnungen mit offengelegten Annahmen, Stand 16.10.2026.

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    A4-Format · 1.894 Wörter · Stand 16. Oktober 2026

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    Instandhaltungskosten: So viel sollten Vermieter planen

    Eduard Winter · 2026-10-16

    Instandhaltung einer 65-m²-Wohnung, Baujahr 1994
    780 €
    Faustregel pro Jahr
    1 € je m² und Monat
    1.210 €
    nach II. BV 2026
    18,62 € je m², ab 32 Jahren
    3.047 €
    nach Petersscher Formel
    Gemeinschaft und Wohnung zusammen
    118 €
    eigene Rücklage pro Monat
    für Bad, Küche, Böden, Maler

    Sie rechnen eine Wohnung durch und kommen zur Zeile Instandhaltung. Im Exposé steht nichts, der Makler sagt „ein Euro pro Quadratmeter“. Für eine Wohnung aus den Neunzigern klingt das wenig, aber Sie haben keine bessere Zahl.

    Instandhaltung ist der Kostenblock, der in den meisten Rechnungen am ungenauesten ist. Er kommt nicht jeden Monat, sondern in Sprüngen: zehn Jahre fast nichts, dann ein neues Bad und eine Sonderumlage für das Dach. Wer ihn zu niedrig ansetzt, rechnet sich die Wohnung schön.

    01Was Instandhaltung umfasst

    Instandhaltung heißt, einen Bauteil funktionsfähig zu halten: Heizung warten, Dachrinne reinigen, Fenster abdichten. Instandsetzung heißt, etwas zu reparieren oder zu ersetzen, das kaputt oder verschlissen ist. Im Alltag fasst man beides unter Instandhaltung zusammen. Das Wohnungseigentumsgesetz spricht von Erhaltung.

    Davon zu trennen ist die Modernisierung. Wer statt der alten Fenster dreifach verglaste einbaut oder einen Aufzug nachrüstet, verbessert das Haus. Das kostet mehr als die reine Erhaltung und folgt anderen Regeln, etwa bei der Mieterhöhung. Mehr dazu im Ratgeber Modernisierungsumlage.

    02Gemeinschaft und eigene Wohnung

    Bei einer Eigentumswohnung zahlen Sie Instandhaltung auf zwei Wegen.

    BereichBeispieleWer zahlt, wie
    GemeinschaftseigentumDach, Fassade, Fenster (meist), Treppenhaus, Leitungsstränge, Zentralheizungalle Eigentümer, über die Erhaltungsrücklage im Hausgeld und bei Bedarf eine Sonderumlage
    SondereigentumBad, Küche, Bodenbeläge, Innentüren, Wände innenSie allein, aus eigener Rücklage

    Was genau wozu gehört, regelt die Teilungserklärung. Fenster gehören zum Beispiel fast immer zum Gemeinschaftseigentum, auch wenn sie in Ihrer Wohnung sind.

    Die Gemeinschaft muss eine angemessene Erhaltungsrücklage bilden (§ 19 Abs. 2 Nr. 4 WEG). Was angemessen ist, sagt das Gesetz nicht. Die Höhe beschließt die Versammlung mit dem Wirtschaftsplan. Viele Gemeinschaften halten das Hausgeld niedrig, damit die Wohnungen beim Verkauf günstig wirken. Das rächt sich später mit Sonderumlagen.

    Aus unseren Gesprächen
    „Wie viel Prozent Instandhaltung nehmt ihr an? Das erscheint mir recht wenig.“

    Diese Frage stellte ein Kunde in einem Beratungsgespräch, und sie war berechtigt. Eine Rechnung mit zu wenig Instandhaltung sieht besser aus, als die Wohnung ist. Deshalb zeigen wir unten drei Methoden nebeneinander und rechnen mit der vorsichtigeren.

    03Drei Methoden im Vergleich

    Faustregel. 1 € je m² Wohnfläche und Monat, also 12 € je m² und Jahr. Einfach, aber ohne Bezug zum Alter des Hauses.

    II. Berechnungsverordnung. Sie legt in § 28 Pauschalen für die Wirtschaftlichkeitsberechnung fest. Gedacht ist sie für preisgebundenen Wohnraum, als Orientierung nutzen sie auch Banken und Gutachter. Die Pauschalen steigen mit dem Alter der Wohnung und werden alle drei Jahre an die Preisentwicklung angepasst.

    Alter der Wohnung (Bezugsfertigkeit am Jahresende)Pauschale 2026 je m² und Jahr
    unter 22 Jahre11,50 €
    ab 22 Jahre14,58 €
    ab 32 Jahre18,62 €

    Die Werte gelten ab 01.01.2026 nach einer Erhöhung um 8,37 %, so Haus + Grund München in einer Mitteilung vom 05.12.2025. Für Aufzug, Sammelheizung oder Kleinreparaturen durch den Mieter gibt es Zu- und Abschläge.

    Peterssche Formel. Sie geht von den Herstellungskosten aus. Über 80 Jahre fallen danach rund das 1,5-Fache der Herstellungskosten für Instandhaltung an. Bei einer Eigentumswohnung entfallen davon etwa 65 bis 70 % auf das Gemeinschaftseigentum.

    Jährliche Instandhaltung = Herstellungskosten je m² × 1,5 ÷ 80 × Wohnfläche

    Drei Methoden für eine 65-m²-Wohnung, bezugsfertig 1994
    je m² und Jahrpro Jahr
    Faustregel 1 € je m² und Monat12,00 €780 €
    II. BV 2026, ab 32 Jahre18,62 €1.210 €
    Peterssche Formel, 2.500 € Herstellungskosten je m² (Annahme)46,88 €3.047 €
    davon Gemeinschaftseigentum 70 %32,81 €2.133 €
    davon eigene Wohnung 30 %14,06 €914 €
    Zum Vergleich: Rücklage im Hausgeld (Beispiel)10,80 €702 €
    Herstellungskosten und Aufteilung sind Annahmen. Eigene Berechnung, Stand 16.10.2026.

    Die Spanne ist groß. Die Faustregel liefert ein Viertel dessen, was die Peterssche Formel ergibt. Die Wahrheit liegt meist dazwischen, und sie hängt am Zustand des Hauses. Ein Haus, in dem Dach und Leitungen vor fünf Jahren erneuert wurden, braucht weniger. Eines, in dem seit dem Bau wenig passiert ist, eher mehr.

    Wichtig ist die letzte Zeile. Im Beispiel zahlt der Eigentümer 0,90 € je m² und Monat in die Rücklage der Gemeinschaft, also 702 € im Jahr. Nach der Petersschen Formel bräuchte das Gemeinschaftseigentum rund 2.133 €. Die Lücke von rund 1.430 € im Jahr verschwindet nicht. Sie kommt später als höheres Hausgeld oder als Sonderumlage.

    Rücklage im Hausgeld und Bedarf nach Petersscher Formel
    Rücklage im Hausgeld
    702 €
    Bedarf Gemeinschaft (Peterssche Formel)
    2.133 €
    Werte pro Jahr für die Beispielwohnung, eigene Berechnung, Stand 16.10.2026.

    04Die eigene Wohnung planen

    Für das Sondereigentum hilft eine einfache Liste: Was muss in der Wohnung irgendwann ersetzt werden, was kostet es und wie lange hält es? Teilen Sie die Kosten durch die Jahre, dann haben Sie eine jährliche Rücklage.

    Bauteil in der WohnungKosten (Annahme)hält etwapro Jahr
    Bad mit Fliesen und Sanitär12.000 €25 Jahre480 €
    Einbauküche, falls mitvermietet6.000 €15 Jahre400 €
    Bodenbeläge3.000 €15 Jahre200 €
    Malerarbeiten bei Mieterwechsel1.500 €8 Jahre188 €
    Kleinreparaturen––150 €
    Summe1.418 €

    Das sind rund 118 € im Monat für die Beispielwohnung, zusätzlich zur Rücklage im Hausgeld. Die Kosten sind Annahmen für eine durchschnittliche Ausstattung. Prüfen Sie beim Kauf, wie alt Bad und Küche sind. Ein Bad, das schon 20 Jahre alt ist, kommt in Ihrer Rechnung bald, nicht in 25 Jahren.

    05Wann Instandhaltung steuerlich zählt

    Für Vermieter sind Instandhaltungskosten Werbungskosten. Der Zeitpunkt unterscheidet sich aber.

    Rücklage der Gemeinschaft. Das Hausgeld, das in die Erhaltungsrücklage fließt, dürfen Sie nicht im Jahr der Zahlung absetzen. Abziehbar wird es erst, wenn die Gemeinschaft das Geld für eine Erhaltung ausgibt (BFH, Urteil vom 14.01.2025, IX R 19/24). Den Betrag finden Sie in der Jahresabrechnung der Verwaltung.

    Eigene Wohnung. Was Sie in Ihrer Wohnung reparieren oder ersetzen, setzen Sie im Jahr der Zahlung ab. Größeren Erhaltungsaufwand dürfen Sie auf zwei bis fünf Jahre verteilen (§ 82b EStDV). Erneuern Sie zum Beispiel das Bad für 12.000 €, spart das bei einem zu versteuernden Einkommen von 60.000 € als Single 4.381 € Einkommensteuer: Die Steuer sinkt von 14.233 € auf 9.852 € (§ 32a EStG 2026).

    06Instandhaltung in die Kaufrechnung übernehmen

    So kommen Sie zu einer belastbaren Zahl
    1. 01
      Hausgeld aufteilen

      Lesen Sie im Wirtschaftsplan ab, wie viel Ihres Hausgelds in die Rücklage fließt.

    2. 02
      Rücklage pro m² prüfen

      Teilen Sie die Rücklage der Gemeinschaft durch die gesamte Wohnfläche. Vergleichen Sie das mit dem Bedarf nach II. BV oder Petersschen Formel.

    3. 03
      Anstehende Maßnahmen lesen

      Die Protokolle der letzten drei Jahre zeigen, was geplant ist. Siehe Protokolle der Eigentümerversammlung prüfen.

    4. 04
      Eigene Wohnung schätzen

      Alter von Bad, Küche und Böden notieren und mit der Tabelle oben eine Monatsrücklage bilden.

    5. 05
      Mit dem vorsichtigeren Wert rechnen

      Setzen Sie in Ihrer Kaufrechnung den höheren Betrag an. Mit dem Cashflow-Rechner sehen Sie sofort, was das für Ihren Monat bedeutet.

    07Risiken und Grenzen

    Zu kleine Rücklage. Eine Gemeinschaft mit niedriger Rücklage und altem Haus wird früher oder später Geld nachfordern. Das ist das größte Risiko bei älteren Eigentumswohnungen. Wie Sie es erkennen, zeigt der Ratgeber Sanierungsstau erkennen.

    Sprünge statt gleichmäßiger Kosten. Selbst eine gut geplante Rücklage glättet die Kosten nur auf dem Papier. Eine Sonderumlage für eine Strangsanierung kann in einem Jahr mehrere tausend Euro kosten.

    Baupreise. Handwerkerleistungen sind in den vergangenen Jahren deutlich teurer geworden. Eine Rücklage, die vor zehn Jahren gereicht hätte, reicht heute oft nicht mehr. Lassen Sie die Werte in Ihrer Rechnung nicht jahrzehntelang unverändert.

    Leerstand bei Renovierung. Wer ein Bad zwischen zwei Mietern erneuert, verliert ein bis zwei Monatsmieten. Planen Sie das in die Kosten ein.

    Gute Lage
    • Die Rücklage liegt nahe am Bedarf nach II. BV oder darüber
    • Große Maßnahmen wie Dach und Leitungen sind erledigt oder voll finanziert
    • Bad und Küche sind höchstens zehn Jahre alt
    Warnsignal
    • Die Rücklage liegt bei wenigen Euro je m² Wohnfläche
    • In den Protokollen werden Maßnahmen Jahr für Jahr verschoben
    • Ihre Kaufrechnung setzt für Instandhaltung weniger als die Faustregel an

    Weiterlesen

    Quellen

    Alle Quellen abgerufen am 16.10.2026.

    FAQHäufige Fragen

    Wie hoch sind die Instandhaltungskosten pro Quadratmeter?

    Als Faustregel gilt 1 € je m² und Monat. Die II. Berechnungsverordnung setzt 2026 je nach Alter 11,50 bis 18,62 € je m² und Jahr an. Für ältere Häuser mit wenig erledigten Maßnahmen ist die Peterssche Formel vorsichtiger und ergibt oft deutlich mehr.

    Was ist die Peterssche Formel?

    Eine Faustformel für die jährliche Instandhaltung: Herstellungskosten je m² mal 1,5, geteilt durch 80 Jahre, mal Wohnfläche. Bei Eigentumswohnungen entfallen davon etwa 65 bis 70 % auf das Gemeinschaftseigentum.

    Sind Instandhaltungskosten im Hausgeld enthalten?

    Nur der Teil für das Gemeinschaftseigentum, als Zuführung zur Erhaltungsrücklage und für laufende Reparaturen. Kosten in Ihrer eigenen Wohnung zahlen Sie zusätzlich.

    Kann ich Instandhaltungskosten auf den Mieter umlegen?

    Nein. Instandhaltung und Instandsetzung sind keine umlagefähigen Betriebskosten. Ausnahmen gibt es nur für Kleinreparaturen, wenn der Mietvertrag eine wirksame Klausel enthält.

    Sind Zahlungen in die Instandhaltungsrücklage steuerlich absetzbar?

    Nicht im Jahr der Zahlung. Nach einem Urteil des Bundesfinanzhofs von 2025 werden sie erst Werbungskosten, wenn die Gemeinschaft das Geld für eine Erhaltung ausgibt.

    Wie viel Instandhaltungsrücklage ist angemessen?

    Das Gesetz nennt keine Zahl. Als Orientierung dienen die Pauschalen der II. BV und die Peterssche Formel. Wichtiger als ein Durchschnittswert ist, ob die Rücklage die Maßnahmen deckt, die in den nächsten Jahren anstehen.

    Was passiert mit meiner Rücklage beim Verkauf?

    Die Rücklage gehört der Gemeinschaft, nicht dem einzelnen Eigentümer. Sie bleibt beim Verkauf in der Gemeinschaft. Eine hohe Rücklage kann aber ein Argument im Verkaufsgespräch sein.