Ratgeber · Bestand & Portfolio

    Sanierungsstau erkennen: Bestandswohnung richtig prüfen

    Eine gebrauchte Wohnung kann günstig sein, weil das Haus jahrelang nichts gemacht hat. Wir zeigen, wie Sie Sanierungsstau vor dem Kauf erkennen, welche Unterlagen Sie dafür brauchen und wie Sie offene Kosten in Kaufpreis und Cashflow übersetzen.


    Investmentberater bei InvestImmo.de
    16. Oktober 202611 Min. Lesezeit
    Was im Beispiel hinter einem günstigen Kaufpreis steckt
    12.524 €
    Anteil an offenen Maßnahmen
    Dach und Leitungen, Fehlbetrag der Gemeinschaft
    −299 €
    Cashflow vor Steuern
    pro Monat, ohne Sonderumlage
    −821 €
    Cashflow vor Steuern
    pro Monat, wenn Sie die Umlage in zwei Jahren ansparen
    20.507 €
    Grenze für anschaffungsnahe Kosten
    15 % der Gebäudekosten in drei Jahren

    Die Wohnung kostet 2.710 € je Quadratmeter, deutlich weniger als die frisch sanierten im Nachbarhaus. Sie ist vermietet, das Hausgeld ist niedrig, das Treppenhaus wirkt gepflegt. Im Protokoll der letzten Versammlung steht ein Satz, den man leicht überliest: „Die Strangsanierung wird auf das Folgejahr vertagt.“

    Das ist Sanierungsstau. Bei einer Eigentumswohnung sitzt er selten in der Wohnung selbst. Er sitzt im Dach, in den Leitungen, in der Fassade, also in Bauteilen, die allen Eigentümern gehören. Bezahlt wird er trotzdem von jedem Einzelnen, oft wenige Jahre nach dem Kauf.

    Aus unseren Gesprächen
    „Ich möchte eine normale Wohnung, die ich vermieten kann.“

    Diesen Satz hören wir oft von Kunden, die eine klassische Bestandswohnung suchen. Eine gebrauchte Wohnung ist eine gute Wahl, wenn man weiß, was im Haus ansteht. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie das vor dem Kauf herausfinden und in Euro übersetzen.

    01Was Sanierungsstau bei einer Wohnung bedeutet

    Jedes Bauteil hat eine Lebensdauer. Ein Haus, in dem die großen Bauteile nacheinander und rechtzeitig erneuert werden, hat gleichmäßige Kosten. Ein Haus, in dem die Gemeinschaft Jahr für Jahr vertagt, sammelt Rechnungen, die irgendwann gleichzeitig fällig werden.

    Für Käufer ist das aus zwei Gründen heikel. Erstens sehen Sie die meisten Schäden bei der Besichtigung nicht, weil sie in Schächten, auf dem Dach oder in der Fassade liegen. Zweitens zahlen Sie als neuer Eigentümer jede Sonderumlage, die nach dem Übergang fällig wird. Der Verkäufer hat dann schon sein Geld.

    Sanierungsstau ist kein Grund, eine Wohnung nicht zu kaufen. Er ist ein Grund, den Preis anders zu rechnen.

    02Warnsignale und typische Lebensdauern

    Die Tabelle zeigt die Bauteile, die bei Eigentumswohnungen am häufigsten Sanierungen auslösen. Die Lebensdauern sind Mittelwerte aus der Tabelle des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung für Lebenszyklusanalysen, Stand 2017. Für Heizung und Leitungen nennt diese Tabelle keine Werte.

    BauteilWarnsignal im Haus oder in den Unterlagenmittlere Lebensdauer
    Flachdach mit BitumenabdichtungFeuchte Flecken unter dem Dach, wiederholte Reparaturen im Protokoll20–30 Jahre
    ZiegeldachVerschobene Ziegel, Moos, undichte Anschlüsse50 Jahre und mehr
    Fenster aus KunststoffBeschlagene Scheiben, undichte Dichtungen, Baujahr vor 199040 Jahre
    Fassade mit Dämmung und PutzRisse, Algen, abplatzender PutzDämmung 40, Putz 30 Jahre
    LeitungssträngeBraunes Wasser, Rohrbrüche, Feuchtigkeit in Schächten, Originalrohre aus der BauzeitTabelle nennt keinen Wert
    HeizungHäufige Ausfälle, Kessel deutlich über 20 Jahre, fehlende WartungsnachweiseTabelle nennt keinen Wert

    Ein einzelnes Warnsignal heißt wenig. Mehrere zusammen, dazu ein Baujahr aus den Fünfzigern bis Siebzigern und Protokolle mit vertagten Punkten, sind ein klares Muster. Was eine Leitungssanierung kostet, steht im Ratgeber Strangsanierung.

    Wohnungsgrundriss und Messwerkzeuge zur Prüfung und Bewertung einer Immobilie
    KI-generiertes Symbolbild

    03Welche Unterlagen Sie vor dem Kauf brauchen

    Die wichtigsten Hinweise stehen nicht im Exposé, sondern in den Unterlagen der Gemeinschaft. Der Verkäufer hat als Eigentümer Zugang zu allen. Fordern Sie sie vollständig an, bevor Sie einen Notartermin vereinbaren.

    Sieben Unterlagen für die Prüfung
    1. 01
      Teilungserklärung und Gemeinschaftsordnung

      Sie zeigen, was zum Gemeinschaftseigentum gehört und wie Kosten verteilt werden. Siehe Teilungserklärung.

    2. 02
      Protokolle der letzten drei Jahre

      Sie zeigen, was beschlossen, vertagt oder abgelehnt wurde. Wie Sie sie lesen, steht im Ratgeber Protokolle der Eigentümerversammlung prüfen.

    3. 03
      Beschluss-Sammlung

      Die Verwaltung muss alle Beschlüsse und gerichtlichen Entscheidungen der Gemeinschaft in einer Sammlung führen (§ 24 Abs. 7 und 8 WEG). Siehe Beschluss-Sammlung.

    4. 04
      Wirtschaftsplan

      Er zeigt das aktuelle Hausgeld und den Anteil, der in die Rücklage fließt (§ 28 Abs. 1 WEG). Siehe Wirtschaftsplan.

    5. 05
      Jahresabrechnung und Vermögensbericht

      Der Vermögensbericht nennt den Stand der Erhaltungsrücklage und wesentliches Vermögen der Gemeinschaft (§ 28 Abs. 2 und 4 WEG).

    6. 06
      Energieausweis

      Er ist spätestens bei der Besichtigung vorzulegen (§ 80 GModG) und zeigt Energiebedarf und Baujahr der Heizung. Welche energetischen Pflichten bleiben, steht im Ratgeber Sanierungspflicht nach dem Kauf.

    7. 07
      Gutachten und Angebote

      Liegt ein Gutachten zu Dach, Leitungen oder Fassade vor, lassen Sie es sich geben. Es enthält oft schon Kostenschätzungen.

    Bekommen Sie einzelne Unterlagen nicht, ist das selbst eine Information. Sie können mit Zustimmung des Verkäufers auch direkt bei der Verwaltung nachfragen.

    04„Ist die Instandhaltungsrücklage schon gefüllt? Wer zahlt Sanierungen?“

    Diese Frage stellen Kunden in unseren Beratungsgesprächen regelmäßig. Sie ist die wichtigste Frage beim Kauf einer gebrauchten Wohnung.

    Gezahlt wird zuerst aus der Instandhaltungsrücklage der Gemeinschaft. Reicht sie nicht, beschließt die Gemeinschaft eine Sonderumlage. Die Kosten verteilt sie nach Miteigentumsanteilen, sofern sie nichts anderes beschließt (§ 16 Abs. 2 WEG). Ob eine Rücklage „gefüllt“ ist, lässt sich nur im Verhältnis zu den anstehenden Maßnahmen beurteilen.

    So gehen Sie vor. Teilen Sie die Rücklage durch die gesamte Wohnfläche des Hauses. Vergleichen Sie das mit dem, was für die nächsten Jahre ansteht. Als grobe Orientierung für den jährlichen Bedarf dient die Pauschale der II. Berechnungsverordnung, 2026 für Wohnungen ab 32 Jahren 18,62 € je m² und Jahr, wovon ein Teil auf die eigene Wohnung entfällt. Mehr dazu im Ratgeber Instandhaltungskosten.

    Aus unseren Gesprächen
    „Eine Rücklage von gerade mal 1000 Euro, 1500 Euro … Da kommt Elektrik und tauscht eine Steckdose.“

    So kommentierte ein Kunde eine niedrige Rücklage in einem Beratungsgespräch, und er hatte recht. Eine Rücklage von wenigen hundert Euro je Wohnung reicht für Kleinreparaturen, nicht für ein Dach. Rechnen Sie deshalb nicht mit der Rücklage pro Wohnung, sondern mit dem Fehlbetrag zu den anstehenden Maßnahmen.

    05Beispielrechnung: Wohnung mit Sanierungsstau

    Jonas ist 41, ledig und hat ein zu versteuerndes Einkommen von 72.000 €. Er kauft in Nordrhein-Westfalen eine vermietete Wohnung mit 62 m² in einem Haus von 1966 mit 16 Wohnungen und 1.000 m² Wohnfläche. Kaufpreis 168.000 €, Kaltmiete 607,60 € im Monat. Die Kaufnebenkosten von 8,5 % zahlt er aus Erspartem, den Kaufpreis finanziert die Bank, bonitätsabhängig. Der Name ist ausgedacht, die Zahlen sind ein Rechenbeispiel und keine Prognose.

    In den Protokollen findet Jonas zwei vertagte Punkte. Die Leitungsstränge sind im Original, ein Gutachten schätzt die Sanierung auf 160.000 €. Das Flachdach von 1996 ist 30 Jahre alt, eine Firma schätzt 90.000 €. Die Rücklage beträgt laut Vermögensbericht 48.000 €.

    Was auf Jonas zukommt
    GemeinschaftJonas (62/1.000)
    Strangsanierung (Schätzung)160.000 €9.920 €
    Flachdach (Schätzung)90.000 €5.580 €
    vorhandene Rücklage−48.000 €−2.976 €
    Fehlbetrag, voraussichtliche Sonderumlage202.000 €12.524 €
    Die Rücklage entspricht 48 € je m² Wohnfläche. Schätzungen aus Protokoll und Gutachten im Beispiel, eigene Berechnung, Stand 16.10.2026.

    Jonas muss also in den nächsten Jahren mit rund 12.500 € rechnen, zusätzlich zum Kaufpreis. Was bedeutet das für seinen Monat? Zuerst die Rechnung ohne Sonderumlage, vor Steuern.

    Für die Rechnung setzen wir 3,8 % Zins bei 2 % Tilgung an. Mitte Oktober 2026 liegen die besten Angebote für zehn Jahre Zinsbindung eher bei 4,0 bis 4,2 % (Dr. Klein, Sollzins 4,06 % am 07.10.2026). Mit dem Marktzins wäre die Rate entsprechend höher.

    Monatlicher Cashflow im ersten Jahr
    ohne SonderumlageUmlage in 24 Monaten ansparen
    Kaltmiete+608 €+608 €
    Hausgeld, nicht umlagefähig (davon 45 € Rücklage)−95 €−95 €
    Rate 168.000 € (3,8 % Zins, 2 % Tilgung)−812 €−812 €
    Sparrate für die Sonderumlage–−522 €
    Cashflow vor Steuern−299 €−821 €
    Steuerersparnis (ESt 2026, Jahr 1)+83 €+83 €
    Cashflow nach Steuern−216 €−738 €
    Zins und Tilgung sind Annahmen, keine Angebote. Steuer nach § 32a EStG 2026, ledig, ohne Soli (fällt nicht an) und Kirchensteuer. Eigene Berechnung, Stand 16.10.2026.

    Ohne Sonderumlage legt Jonas im ersten Jahr 299 € im Monat aus eigener Tasche dazu, nach Steuern 216 €. Gleichzeitig tilgt er im ersten Jahr 3.419 €, rund 285 € im Monat. Muss er die Sonderumlage in zwei Jahren ansparen, steigt die Belastung vor Steuern auf 821 € im Monat. Das ist fast das Dreifache.

    Woher kommt die Steuerersparnis? Den Mieteinnahmen von 7.291 € stehen im ersten Jahr 6.325 € Zinsen, 2.734 € Abschreibung und 600 € abziehbare Hausgeldkosten gegenüber. Der Rücklagenanteil im Hausgeld zählt noch nicht, er wird erst abziehbar, wenn die Gemeinschaft das Geld ausgibt (BFH, Urteil vom 14.01.2025, IX R 19/24). Es bleibt ein steuerlicher Verlust von 2.368 €, der bei Jonas 995 € Einkommensteuer im Jahr spart.

    Monatliche Belastung vor Steuern
    Ohne Sonderumlage
    −299 €
    Mit Ansparen der Sonderumlage
    −821 €
    Erstes Jahr, eigene Berechnung, Stand 16.10.2026.
    Prüfung der gemeinschaftlichen Heizungsanlage eines Wohngebäudes
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    06Kaufpreis verhandeln statt Risiko übernehmen

    Ein bekannter Fehlbetrag ist eine Verhandlungsposition. Der Verkäufer hat jahrelang ein niedriges Hausgeld gezahlt, und die Rechnung dafür kommt nach dem Verkauf. Es ist fair, das im Preis abzubilden.

    Variante A: ListenpreisVariante B: 12.000 € Abschlag
    Kaufpreis168.000 €156.000 €
    Kaufnebenkosten 8,5 %14.280 €13.260 €
    Rate (3,8 % Zins, 2 % Tilgung)812 €754 €
    Cashflow vor Steuern ohne Umlage−299 €−241 €
    Voraussichtliche Sonderumlage12.524 €12.524 €

    Mit dem Abschlag sinken Rate und Nebenkosten, die Sonderumlage bleibt. Wirtschaftlich hat Jonas sie dann aber vorab im Preis bezahlt bekommen. Ob ein Verkäufer zustimmt, hängt vom Markt ab. Mit Protokoll und Gutachten in der Hand ist die Forderung jedenfalls begründet.

    07Die 15-%-Grenze: wenn Sonderumlage und Renovierung zusammenfallen

    Jonas überlegt, das alte Bad gleich nach dem Kauf zu erneuern, für 12.000 €. Dann sind Mieter und Handwerker ohnehin im Haus. Steuerlich kann das teuer werden.

    Geben Sie in den ersten drei Jahren nach dem Kauf mehr als 15 % der Anschaffungskosten des Gebäudes ohne Umsatzsteuer für Instandsetzung aus, gelten alle diese Kosten als Herstellungskosten (§ 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG). Sie werden dann nur mit 2 % im Jahr abgeschrieben (§ 7 Abs. 4 EStG). In die Grenze fließt in der Regel auch Ihr Anteil an Maßnahmen der Gemeinschaft ein.

    Die Grenze im Beispiel
    Betrag
    Anschaffungskosten Gebäude (75 % von 182.280 €)136.710 €
    Grenze 15 %20.507 €
    Sonderumlage netto (Anteil Jonas ohne USt)10.524 €
    Bad netto (12.000 € brutto)10.084 €
    Summe in drei Jahren20.608 €
    Die Grenze ist um 101 € überschritten. Steuerersparnis vereinfacht mit den Werten aus Jahr 1. Eigene Berechnung, Stand 16.10.2026.

    Liegt beides in den ersten drei Jahren, ist die Grenze knapp überschritten. Statt rund 9.238 € Steuerersparnis bei sofortigem Abzug bekommt Jonas über die Abschreibung nur rund 205 € im Jahr. Verschiebt er das Bad in das vierte Jahr, bleibt die Sonderumlage unter der Grenze und spart allein rund 4.978 € Steuern im Jahr der Zahlung. Das Glossar anschaffungsnahe Herstellungskosten erklärt die Regel im Detail. Planen Sie den Zeitpunkt mit Ihrem Steuerberater.

    08Risiken und Grenzen

    Unbekannte Schäden. Auch die beste Prüfung der Unterlagen findet nicht alles. Gutachten schätzen, eine feste Summe sind sie nicht. Planen Sie einen Puffer von 10 bis 20 % auf jede Schätzung ein.

    Die Gemeinschaft entscheidet. Ob und wann saniert wird, beschließt die Mehrheit. Vertagt sie weiter, steigen die Schäden. Beschließt sie schnell, ist Ihre Umlage früher fällig, als Sie geplant haben.

    Vermietbarkeit. Während einer Strang- oder Dachsanierung kann der Mieter die Miete mindern. Ein Haus mit sichtbarem Sanierungsbedarf lässt sich bei einem Mieterwechsel schwerer neu vermieten.

    Zinsen und Anschlussfinanzierung. Im Beispiel ist der Rechenzins niedriger als der Marktzins von Oktober 2026. Steigt der Zins bei der Anschlussfinanzierung, verschlechtert sich der Cashflow weiter. Rechnen Sie mit einem höheren Zins nach.

    Klumpen aus Kosten. Fallen eine Sonderumlage, eine eigene Renovierung und ein Mieterwechsel in dasselbe Jahr, trifft Sie das dreifach. Halten Sie für eine ältere Wohnung eine Rücklage von mehreren Monatsraten vor.

    Kann passen
    • Sie kennen den Fehlbetrag und haben ihn im Kaufpreis berücksichtigt
    • Sie haben Erspartes für die Sonderumlage oder können sie aus dem laufenden Einkommen ansparen
    • Sie wollen eine Wohnung lange halten und akzeptieren einige Jahre mit negativem Cashflow
    Passt eher nicht
    • Sie brauchen jeden Monat einen positiven Cashflow
    • Die Unterlagen der Gemeinschaft sind unvollständig oder Sie bekommen sie nicht
    • Sie planen eine größere eigene Renovierung direkt nach dem Kauf, ohne die 15-%-Grenze geprüft zu haben

    FAQHäufige Fragen

    Was ist Sanierungsstau?

    Sanierungsstau bedeutet, dass nötige Erhaltungsmaßnahmen an einem Gebäude über längere Zeit aufgeschoben wurden. Die Kosten fallen dann gebündelt an, oft zusammen mit Folgeschäden, etwa durch Feuchtigkeit.

    Wie erkenne ich Sanierungsstau bei einer Eigentumswohnung?

    Vor allem in den Unterlagen der Gemeinschaft. Vertagte Maßnahmen in den Protokollen, eine niedrige Rücklage im Vermögensbericht und Gutachten zu Dach oder Leitungen sind die deutlichsten Hinweise. Bei der Besichtigung achten Sie auf Feuchtigkeit, Risse und das Alter von Fenstern und Heizung.

    Muss ich als Käufer für Sanierungen zahlen, die vor meinem Kauf beschlossen wurden?

    Gegenüber der Gemeinschaft zahlt, wer bei Fälligkeit Eigentümer ist. Wird eine beschlossene Umlage nach dem Übergang fällig, zahlen Sie. Im Kaufvertrag können Sie mit dem Verkäufer vereinbaren, dass er sie trägt.

    Wie hoch sollte die Instandhaltungsrücklage sein?

    Das Gesetz nennt keinen Wert. Entscheidend ist, ob die Rücklage die Maßnahmen der nächsten Jahre deckt. Als Orientierung für den jährlichen Bedarf dient die Pauschale der II. Berechnungsverordnung, 2026 je nach Alter 11,50 bis 18,62 € je m².

    Lohnt sich eine Wohnung mit Sanierungsstau als Kapitalanlage?

    Das hängt vom Preis ab. Ist der Fehlbetrag bekannt und im Kaufpreis berücksichtigt und können Sie die Umlage tragen, kann es passen. Ohne diese Zahlen kaufen Sie ein Risiko, dessen Größe Sie nicht kennen.

    Kann ich eine Sonderumlage steuerlich absetzen?

    Bei einer vermieteten Wohnung meist ja, als Erhaltungsaufwand im Jahr, in dem die Gemeinschaft das Geld ausgibt. In den ersten drei Jahren nach dem Kauf gilt die 15-%-Grenze für anschaffungsnahe Aufwendungen.

    Brauche ich einen Gutachter für eine gebrauchte Wohnung?

    Für die Bauteile der Gemeinschaft hilft oft schon ein vorhandenes Gutachten der Verwaltung. Ein eigener Bausachverständiger lohnt sich bei älteren Häusern mit unklaren Unterlagen. Was das kostet, steht im Ratgeber Wertgutachten Kosten.

    Weiterlesen

    Quellen

    Alle Quellen abgerufen am 16.10.2026.

    Geschrieben von
    Investmentberater bei InvestImmo.de

    Schreibt über Steuern, AfA, Bestandsimmobilien und Portfolioaufbau.

    Eduard hat seit 2020 sieben eigene Immobilien gekauft und mehr als 150 Mandanten begleitet. Er schreibt über Steuerhebel, Objektunterlagen und Portfolioaufbau – mit ehrlichen Zahlen statt Schönrechnerei.

    Dieser Ratgeber ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Rechts-, Steuer- oder Finanzierungsberatung im Einzelfall. Ob und zu welchen Konditionen eine Bank finanziert, hängt von Ihrer Bonität ab. Alle Zahlen sind Beispielrechnungen mit offengelegten Annahmen, Stand 16.10.2026.

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    A4-Format · 2.436 Wörter · Stand 16. Oktober 2026

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    Sanierungsstau erkennen: Bestandswohnung richtig prüfen

    Eduard Winter · 2026-10-16

    Was im Beispiel hinter einem günstigen Kaufpreis steckt
    12.524 €
    Anteil an offenen Maßnahmen
    Dach und Leitungen, Fehlbetrag der Gemeinschaft
    −299 €
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    pro Monat, ohne Sonderumlage
    −821 €
    Cashflow vor Steuern
    pro Monat, wenn Sie die Umlage in zwei Jahren ansparen
    20.507 €
    Grenze für anschaffungsnahe Kosten
    15 % der Gebäudekosten in drei Jahren

    Die Wohnung kostet 2.710 € je Quadratmeter, deutlich weniger als die frisch sanierten im Nachbarhaus. Sie ist vermietet, das Hausgeld ist niedrig, das Treppenhaus wirkt gepflegt. Im Protokoll der letzten Versammlung steht ein Satz, den man leicht überliest: „Die Strangsanierung wird auf das Folgejahr vertagt.“

    Das ist Sanierungsstau. Bei einer Eigentumswohnung sitzt er selten in der Wohnung selbst. Er sitzt im Dach, in den Leitungen, in der Fassade, also in Bauteilen, die allen Eigentümern gehören. Bezahlt wird er trotzdem von jedem Einzelnen, oft wenige Jahre nach dem Kauf.

    Aus unseren Gesprächen
    „Ich möchte eine normale Wohnung, die ich vermieten kann.“

    Diesen Satz hören wir oft von Kunden, die eine klassische Bestandswohnung suchen. Eine gebrauchte Wohnung ist eine gute Wahl, wenn man weiß, was im Haus ansteht. Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie das vor dem Kauf herausfinden und in Euro übersetzen.

    01Was Sanierungsstau bei einer Wohnung bedeutet

    Jedes Bauteil hat eine Lebensdauer. Ein Haus, in dem die großen Bauteile nacheinander und rechtzeitig erneuert werden, hat gleichmäßige Kosten. Ein Haus, in dem die Gemeinschaft Jahr für Jahr vertagt, sammelt Rechnungen, die irgendwann gleichzeitig fällig werden.

    Für Käufer ist das aus zwei Gründen heikel. Erstens sehen Sie die meisten Schäden bei der Besichtigung nicht, weil sie in Schächten, auf dem Dach oder in der Fassade liegen. Zweitens zahlen Sie als neuer Eigentümer jede Sonderumlage, die nach dem Übergang fällig wird. Der Verkäufer hat dann schon sein Geld.

    Sanierungsstau ist kein Grund, eine Wohnung nicht zu kaufen. Er ist ein Grund, den Preis anders zu rechnen.

    02Warnsignale und typische Lebensdauern

    Die Tabelle zeigt die Bauteile, die bei Eigentumswohnungen am häufigsten Sanierungen auslösen. Die Lebensdauern sind Mittelwerte aus der Tabelle des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung für Lebenszyklusanalysen, Stand 2017. Für Heizung und Leitungen nennt diese Tabelle keine Werte.

    BauteilWarnsignal im Haus oder in den Unterlagenmittlere Lebensdauer
    Flachdach mit BitumenabdichtungFeuchte Flecken unter dem Dach, wiederholte Reparaturen im Protokoll20–30 Jahre
    ZiegeldachVerschobene Ziegel, Moos, undichte Anschlüsse50 Jahre und mehr
    Fenster aus KunststoffBeschlagene Scheiben, undichte Dichtungen, Baujahr vor 199040 Jahre
    Fassade mit Dämmung und PutzRisse, Algen, abplatzender PutzDämmung 40, Putz 30 Jahre
    LeitungssträngeBraunes Wasser, Rohrbrüche, Feuchtigkeit in Schächten, Originalrohre aus der BauzeitTabelle nennt keinen Wert
    HeizungHäufige Ausfälle, Kessel deutlich über 20 Jahre, fehlende WartungsnachweiseTabelle nennt keinen Wert

    Ein einzelnes Warnsignal heißt wenig. Mehrere zusammen, dazu ein Baujahr aus den Fünfzigern bis Siebzigern und Protokolle mit vertagten Punkten, sind ein klares Muster. Was eine Leitungssanierung kostet, steht im Ratgeber Strangsanierung.

    03Welche Unterlagen Sie vor dem Kauf brauchen

    Die wichtigsten Hinweise stehen nicht im Exposé, sondern in den Unterlagen der Gemeinschaft. Der Verkäufer hat als Eigentümer Zugang zu allen. Fordern Sie sie vollständig an, bevor Sie einen Notartermin vereinbaren.

    Sieben Unterlagen für die Prüfung
    1. 01
      Teilungserklärung und Gemeinschaftsordnung

      Sie zeigen, was zum Gemeinschaftseigentum gehört und wie Kosten verteilt werden. Siehe Teilungserklärung.

    2. 02
      Protokolle der letzten drei Jahre

      Sie zeigen, was beschlossen, vertagt oder abgelehnt wurde. Wie Sie sie lesen, steht im Ratgeber Protokolle der Eigentümerversammlung prüfen.

    3. 03
      Beschluss-Sammlung

      Die Verwaltung muss alle Beschlüsse und gerichtlichen Entscheidungen der Gemeinschaft in einer Sammlung führen (§ 24 Abs. 7 und 8 WEG). Siehe Beschluss-Sammlung.

    4. 04
      Wirtschaftsplan

      Er zeigt das aktuelle Hausgeld und den Anteil, der in die Rücklage fließt (§ 28 Abs. 1 WEG). Siehe Wirtschaftsplan.

    5. 05
      Jahresabrechnung und Vermögensbericht

      Der Vermögensbericht nennt den Stand der Erhaltungsrücklage und wesentliches Vermögen der Gemeinschaft (§ 28 Abs. 2 und 4 WEG).

    6. 06
      Energieausweis

      Er ist spätestens bei der Besichtigung vorzulegen (§ 80 GModG) und zeigt Energiebedarf und Baujahr der Heizung. Welche energetischen Pflichten bleiben, steht im Ratgeber Sanierungspflicht nach dem Kauf.

    7. 07
      Gutachten und Angebote

      Liegt ein Gutachten zu Dach, Leitungen oder Fassade vor, lassen Sie es sich geben. Es enthält oft schon Kostenschätzungen.

    Bekommen Sie einzelne Unterlagen nicht, ist das selbst eine Information. Sie können mit Zustimmung des Verkäufers auch direkt bei der Verwaltung nachfragen.

    04„Ist die Instandhaltungsrücklage schon gefüllt? Wer zahlt Sanierungen?“

    Diese Frage stellen Kunden in unseren Beratungsgesprächen regelmäßig. Sie ist die wichtigste Frage beim Kauf einer gebrauchten Wohnung.

    Gezahlt wird zuerst aus der Instandhaltungsrücklage der Gemeinschaft. Reicht sie nicht, beschließt die Gemeinschaft eine Sonderumlage. Die Kosten verteilt sie nach Miteigentumsanteilen, sofern sie nichts anderes beschließt (§ 16 Abs. 2 WEG). Ob eine Rücklage „gefüllt“ ist, lässt sich nur im Verhältnis zu den anstehenden Maßnahmen beurteilen.

    So gehen Sie vor. Teilen Sie die Rücklage durch die gesamte Wohnfläche des Hauses. Vergleichen Sie das mit dem, was für die nächsten Jahre ansteht. Als grobe Orientierung für den jährlichen Bedarf dient die Pauschale der II. Berechnungsverordnung, 2026 für Wohnungen ab 32 Jahren 18,62 € je m² und Jahr, wovon ein Teil auf die eigene Wohnung entfällt. Mehr dazu im Ratgeber Instandhaltungskosten.

    Aus unseren Gesprächen
    „Eine Rücklage von gerade mal 1000 Euro, 1500 Euro … Da kommt Elektrik und tauscht eine Steckdose.“

    So kommentierte ein Kunde eine niedrige Rücklage in einem Beratungsgespräch, und er hatte recht. Eine Rücklage von wenigen hundert Euro je Wohnung reicht für Kleinreparaturen, nicht für ein Dach. Rechnen Sie deshalb nicht mit der Rücklage pro Wohnung, sondern mit dem Fehlbetrag zu den anstehenden Maßnahmen.

    05Beispielrechnung: Wohnung mit Sanierungsstau

    Jonas ist 41, ledig und hat ein zu versteuerndes Einkommen von 72.000 €. Er kauft in Nordrhein-Westfalen eine vermietete Wohnung mit 62 m² in einem Haus von 1966 mit 16 Wohnungen und 1.000 m² Wohnfläche. Kaufpreis 168.000 €, Kaltmiete 607,60 € im Monat. Die Kaufnebenkosten von 8,5 % zahlt er aus Erspartem, den Kaufpreis finanziert die Bank, bonitätsabhängig. Der Name ist ausgedacht, die Zahlen sind ein Rechenbeispiel und keine Prognose.

    In den Protokollen findet Jonas zwei vertagte Punkte. Die Leitungsstränge sind im Original, ein Gutachten schätzt die Sanierung auf 160.000 €. Das Flachdach von 1996 ist 30 Jahre alt, eine Firma schätzt 90.000 €. Die Rücklage beträgt laut Vermögensbericht 48.000 €.

    Was auf Jonas zukommt
    GemeinschaftJonas (62/1.000)
    Strangsanierung (Schätzung)160.000 €9.920 €
    Flachdach (Schätzung)90.000 €5.580 €
    vorhandene Rücklage−48.000 €−2.976 €
    Fehlbetrag, voraussichtliche Sonderumlage202.000 €12.524 €
    Die Rücklage entspricht 48 € je m² Wohnfläche. Schätzungen aus Protokoll und Gutachten im Beispiel, eigene Berechnung, Stand 16.10.2026.

    Jonas muss also in den nächsten Jahren mit rund 12.500 € rechnen, zusätzlich zum Kaufpreis. Was bedeutet das für seinen Monat? Zuerst die Rechnung ohne Sonderumlage, vor Steuern.

    Für die Rechnung setzen wir 3,8 % Zins bei 2 % Tilgung an. Mitte Oktober 2026 liegen die besten Angebote für zehn Jahre Zinsbindung eher bei 4,0 bis 4,2 % (Dr. Klein, Sollzins 4,06 % am 07.10.2026). Mit dem Marktzins wäre die Rate entsprechend höher.

    Monatlicher Cashflow im ersten Jahr
    ohne SonderumlageUmlage in 24 Monaten ansparen
    Kaltmiete+608 €+608 €
    Hausgeld, nicht umlagefähig (davon 45 € Rücklage)−95 €−95 €
    Rate 168.000 € (3,8 % Zins, 2 % Tilgung)−812 €−812 €
    Sparrate für die Sonderumlage–−522 €
    Cashflow vor Steuern−299 €−821 €
    Steuerersparnis (ESt 2026, Jahr 1)+83 €+83 €
    Cashflow nach Steuern−216 €−738 €
    Zins und Tilgung sind Annahmen, keine Angebote. Steuer nach § 32a EStG 2026, ledig, ohne Soli (fällt nicht an) und Kirchensteuer. Eigene Berechnung, Stand 16.10.2026.

    Ohne Sonderumlage legt Jonas im ersten Jahr 299 € im Monat aus eigener Tasche dazu, nach Steuern 216 €. Gleichzeitig tilgt er im ersten Jahr 3.419 €, rund 285 € im Monat. Muss er die Sonderumlage in zwei Jahren ansparen, steigt die Belastung vor Steuern auf 821 € im Monat. Das ist fast das Dreifache.

    Woher kommt die Steuerersparnis? Den Mieteinnahmen von 7.291 € stehen im ersten Jahr 6.325 € Zinsen, 2.734 € Abschreibung und 600 € abziehbare Hausgeldkosten gegenüber. Der Rücklagenanteil im Hausgeld zählt noch nicht, er wird erst abziehbar, wenn die Gemeinschaft das Geld ausgibt (BFH, Urteil vom 14.01.2025, IX R 19/24). Es bleibt ein steuerlicher Verlust von 2.368 €, der bei Jonas 995 € Einkommensteuer im Jahr spart.

    Monatliche Belastung vor Steuern
    Ohne Sonderumlage
    −299 €
    Mit Ansparen der Sonderumlage
    −821 €
    Erstes Jahr, eigene Berechnung, Stand 16.10.2026.

    06Kaufpreis verhandeln statt Risiko übernehmen

    Ein bekannter Fehlbetrag ist eine Verhandlungsposition. Der Verkäufer hat jahrelang ein niedriges Hausgeld gezahlt, und die Rechnung dafür kommt nach dem Verkauf. Es ist fair, das im Preis abzubilden.

    Variante A: ListenpreisVariante B: 12.000 € Abschlag
    Kaufpreis168.000 €156.000 €
    Kaufnebenkosten 8,5 %14.280 €13.260 €
    Rate (3,8 % Zins, 2 % Tilgung)812 €754 €
    Cashflow vor Steuern ohne Umlage−299 €−241 €
    Voraussichtliche Sonderumlage12.524 €12.524 €

    Mit dem Abschlag sinken Rate und Nebenkosten, die Sonderumlage bleibt. Wirtschaftlich hat Jonas sie dann aber vorab im Preis bezahlt bekommen. Ob ein Verkäufer zustimmt, hängt vom Markt ab. Mit Protokoll und Gutachten in der Hand ist die Forderung jedenfalls begründet.

    07Die 15-%-Grenze: wenn Sonderumlage und Renovierung zusammenfallen

    Jonas überlegt, das alte Bad gleich nach dem Kauf zu erneuern, für 12.000 €. Dann sind Mieter und Handwerker ohnehin im Haus. Steuerlich kann das teuer werden.

    Geben Sie in den ersten drei Jahren nach dem Kauf mehr als 15 % der Anschaffungskosten des Gebäudes ohne Umsatzsteuer für Instandsetzung aus, gelten alle diese Kosten als Herstellungskosten (§ 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG). Sie werden dann nur mit 2 % im Jahr abgeschrieben (§ 7 Abs. 4 EStG). In die Grenze fließt in der Regel auch Ihr Anteil an Maßnahmen der Gemeinschaft ein.

    Die Grenze im Beispiel
    Betrag
    Anschaffungskosten Gebäude (75 % von 182.280 €)136.710 €
    Grenze 15 %20.507 €
    Sonderumlage netto (Anteil Jonas ohne USt)10.524 €
    Bad netto (12.000 € brutto)10.084 €
    Summe in drei Jahren20.608 €
    Die Grenze ist um 101 € überschritten. Steuerersparnis vereinfacht mit den Werten aus Jahr 1. Eigene Berechnung, Stand 16.10.2026.

    Liegt beides in den ersten drei Jahren, ist die Grenze knapp überschritten. Statt rund 9.238 € Steuerersparnis bei sofortigem Abzug bekommt Jonas über die Abschreibung nur rund 205 € im Jahr. Verschiebt er das Bad in das vierte Jahr, bleibt die Sonderumlage unter der Grenze und spart allein rund 4.978 € Steuern im Jahr der Zahlung. Das Glossar anschaffungsnahe Herstellungskosten erklärt die Regel im Detail. Planen Sie den Zeitpunkt mit Ihrem Steuerberater.

    08Risiken und Grenzen

    Unbekannte Schäden. Auch die beste Prüfung der Unterlagen findet nicht alles. Gutachten schätzen, eine feste Summe sind sie nicht. Planen Sie einen Puffer von 10 bis 20 % auf jede Schätzung ein.

    Die Gemeinschaft entscheidet. Ob und wann saniert wird, beschließt die Mehrheit. Vertagt sie weiter, steigen die Schäden. Beschließt sie schnell, ist Ihre Umlage früher fällig, als Sie geplant haben.

    Vermietbarkeit. Während einer Strang- oder Dachsanierung kann der Mieter die Miete mindern. Ein Haus mit sichtbarem Sanierungsbedarf lässt sich bei einem Mieterwechsel schwerer neu vermieten.

    Zinsen und Anschlussfinanzierung. Im Beispiel ist der Rechenzins niedriger als der Marktzins von Oktober 2026. Steigt der Zins bei der Anschlussfinanzierung, verschlechtert sich der Cashflow weiter. Rechnen Sie mit einem höheren Zins nach.

    Klumpen aus Kosten. Fallen eine Sonderumlage, eine eigene Renovierung und ein Mieterwechsel in dasselbe Jahr, trifft Sie das dreifach. Halten Sie für eine ältere Wohnung eine Rücklage von mehreren Monatsraten vor.

    Kann passen
    • Sie kennen den Fehlbetrag und haben ihn im Kaufpreis berücksichtigt
    • Sie haben Erspartes für die Sonderumlage oder können sie aus dem laufenden Einkommen ansparen
    • Sie wollen eine Wohnung lange halten und akzeptieren einige Jahre mit negativem Cashflow
    Passt eher nicht
    • Sie brauchen jeden Monat einen positiven Cashflow
    • Die Unterlagen der Gemeinschaft sind unvollständig oder Sie bekommen sie nicht
    • Sie planen eine größere eigene Renovierung direkt nach dem Kauf, ohne die 15-%-Grenze geprüft zu haben

    Weiterlesen

    Quellen

    Alle Quellen abgerufen am 16.10.2026.

    FAQHäufige Fragen

    Was ist Sanierungsstau?

    Sanierungsstau bedeutet, dass nötige Erhaltungsmaßnahmen an einem Gebäude über längere Zeit aufgeschoben wurden. Die Kosten fallen dann gebündelt an, oft zusammen mit Folgeschäden, etwa durch Feuchtigkeit.

    Wie erkenne ich Sanierungsstau bei einer Eigentumswohnung?

    Vor allem in den Unterlagen der Gemeinschaft. Vertagte Maßnahmen in den Protokollen, eine niedrige Rücklage im Vermögensbericht und Gutachten zu Dach oder Leitungen sind die deutlichsten Hinweise. Bei der Besichtigung achten Sie auf Feuchtigkeit, Risse und das Alter von Fenstern und Heizung.

    Muss ich als Käufer für Sanierungen zahlen, die vor meinem Kauf beschlossen wurden?

    Gegenüber der Gemeinschaft zahlt, wer bei Fälligkeit Eigentümer ist. Wird eine beschlossene Umlage nach dem Übergang fällig, zahlen Sie. Im Kaufvertrag können Sie mit dem Verkäufer vereinbaren, dass er sie trägt.

    Wie hoch sollte die Instandhaltungsrücklage sein?

    Das Gesetz nennt keinen Wert. Entscheidend ist, ob die Rücklage die Maßnahmen der nächsten Jahre deckt. Als Orientierung für den jährlichen Bedarf dient die Pauschale der II. Berechnungsverordnung, 2026 je nach Alter 11,50 bis 18,62 € je m².

    Lohnt sich eine Wohnung mit Sanierungsstau als Kapitalanlage?

    Das hängt vom Preis ab. Ist der Fehlbetrag bekannt und im Kaufpreis berücksichtigt und können Sie die Umlage tragen, kann es passen. Ohne diese Zahlen kaufen Sie ein Risiko, dessen Größe Sie nicht kennen.

    Kann ich eine Sonderumlage steuerlich absetzen?

    Bei einer vermieteten Wohnung meist ja, als Erhaltungsaufwand im Jahr, in dem die Gemeinschaft das Geld ausgibt. In den ersten drei Jahren nach dem Kauf gilt die 15-%-Grenze für anschaffungsnahe Aufwendungen.

    Brauche ich einen Gutachter für eine gebrauchte Wohnung?

    Für die Bauteile der Gemeinschaft hilft oft schon ein vorhandenes Gutachten der Verwaltung. Ein eigener Bausachverständiger lohnt sich bei älteren Häusern mit unklaren Unterlagen. Was das kostet, steht im Ratgeber Wertgutachten Kosten.