Kapitalanlage-Immobilien in Hessen: Städte, Zahlen und Regeln 2026
Romolo Marini · 2026-10-13
Sie denken über eine vermietete Wohnung in Hessen nach. Vielleicht in Frankfurt, weil dort die Nachfrage hoch ist, vielleicht in Kassel oder Gießen, weil die Preise niedriger sind. Beides kann passen. Zwischen dem Rhein-Main-Gebiet und dem Norden des Landes liegen bei der durchschnittlichen Miete aber mehr als 5 € pro Quadratmeter.
Dazu kommt ein Termin, den Sie kennen sollten: Die hessische Mieterschutzverordnung endet am 25.11.2026. Eine Neufassung für 71 Gemeinden ist in Vorbereitung, aber noch nicht beschlossen. Diese Seite ordnet beides ein, vergleicht die wichtigsten Städte und zeigt die amtlichen Zahlen mit Stand.
01Hessen in Zahlen
Die wichtigsten Landesdaten in einer Tabelle, jede Zeile mit Quelle und Stand.
| Kennzahl | Wert | Quelle, Stand |
|---|---|---|
| Einwohner | 6.278.594 | Statistisches Bundesamt, Gemeindeverzeichnis 31.12.2025 |
| Veränderung zum Vorjahr | −2.199 | Gemeindeverzeichnis 31.12.2024 und 2025, eigene Rechnung |
| Prognose 2040 | 6,19 Mio. (−1,5 % ggü. 2024) | 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Variante 2 |
| Wohnungen in Wohngebäuden | 3.074.206 | Zensus, 15.05.2022 |
| Leerstandsquote | 3,8 % (122.404 Wohnungen) | Zensus, 15.05.2022 |
| davon seit 12 Monaten oder länger leer | 63.097 | Zensus, 15.05.2022 |
| Ø Nettokaltmiete | 8,21 €/m² (Bund 7,28 €) | Zensus, 15.05.2022 |
| Eigentümerquote | 46,6 % | Zensus, 15.05.2022 |
| Arbeitslosenquote | 5,9 % (Bund 6,4 %) | Bundesagentur für Arbeit, September 2026 |
| Grunderwerbsteuer | 6,0 % | Landesgesetz, seit 01.08.2014 |
| Mieterschutzverordnung | 49 Gemeinden, bis 25.11.2026 | GVBl. 2020 S. 802, verlängert 12.11.2025 |
| Neufassung (Entwurf) | 71 Gemeinden, Kabinett voraussichtlich Mitte November 2026 | Hessisches Wirtschaftsministerium, 24.09.2026 |
Hessen hat nach Bayern die höchste Zensusmiete aller Flächenländer. Der Leerstand liegt unter dem Bundesschnitt von 4,3 %. Gut die Hälfte der leeren Wohnungen stand aber schon ein Jahr oder länger leer, vor allem außerhalb der Ballungsräume.
02Bevölkerung: Rhein-Main und Nordhessen
Ende 2025 lebten nach dem Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamts 6.278.594 Menschen in Hessen, 2.199 weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl ist damit praktisch stabil. Die 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung erwartet in ihrer mittleren Variante bis 2040 rund 6,19 Millionen Einwohner, 1,5 % weniger als 2024. Bei hoher Zuwanderung käme Hessen auf ein kleines Plus von 0,9 %, bei niedriger auf ein Minus von 3,9 %.
Der Leerstand zeigt, wo die Nachfrage sitzt. Am Zensus-Stichtag 15.05.2022 lag er in Frankfurt bei 3,1 %, im Main-Taunus-Kreis bei 3,1 % und im Landkreis Offenbach bei 3,2 %. Am anderen Ende stehen der Werra-Meißner-Kreis mit 5,7 %, Hersfeld-Rotenburg mit 5,2 % und der Schwalm-Eder-Kreis mit 5,1 %. Dort lag auch die durchschnittliche Miete mit 4,81 bis 5,36 €/m² nur gut halb so hoch wie in Frankfurt.
Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) sieht in seiner Raumordnungsprognose bis 2045 bundesweit Städte und zentrale Kreise vorn. Ein hessisches Beispiel: Im Landkreis Gießen soll die Zahl der unter 20-Jährigen um 19,0 % steigen, der höchste Wert aller städtischen Kreise in Deutschland. Hochschulstädte wie Gießen und Marburg haben eine eigene, junge Nachfrage.
03Die wichtigsten Städte für Kapitalanleger in Hessen
Die Tabelle zeigt die acht größten Städte des Landes. Leerstand und Miete stammen einheitlich aus dem Zensus 2022. Die Miete ist der Durchschnitt aller bestehenden Mietverträge im Mai 2022, kein heutiger Angebotspreis.
| Stadt | Einwohner 31.12.2025 | Leerstand Zensus 2022 | Ø Miete Zensus 2022 | Mietpreisbremse bis 25.11.2026 | Städteseite |
|---|---|---|---|---|---|
| Frankfurt am Main | 760.656 | 3,1 % | 10,58 €/m² | ja | Kapitalanlage Frankfurt |
| Wiesbaden | 288.584 | 3,3 % | 9,21 €/m² | ja | Kapitalanlage Wiesbaden |
| Kassel | 196.799 | 4,1 % | 6,77 €/m² | nein | Kapitalanlage Kassel |
| Darmstadt | 168.253 | 3,4 % | 9,56 €/m² | ja | – |
| Offenbach am Main | 133.195 | 3,7 % | 8,76 €/m² | ja | – |
| Hanau | 98.582 | 4,3 % | 7,82 €/m² | nein | – |
| Gießen | 88.544 | 3,5 % | 8,18 €/m² | nein, im Entwurf neu | – |
| Marburg | 73.571 | 2,8 % | 8,74 €/m² | ja | – |
Einwohner: Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamts, 31.12.2025. Mietpreisbremse laut geltender Mieterschutzverordnung, Stand 13.10.2026.
Für zwei Städte liegen Kaufpreise der Gutachterausschüsse vor. In Frankfurt kosteten Eigentumswohnungen im ersten Halbjahr 2026 im Schnitt 5.670 €/m². In Kassel lagen gebrauchte Wohnungen 2025 bei 2.530 €/m², Neubauwohnungen bei 5.356 €/m². Für die übrigen Städte ergänzen wir die Werte mit den Städteseiten.
Die Zahlen zeigen zwei Märkte. Frankfurt, Darmstadt und Wiesbaden haben hohe Mieten und niedrigen Leerstand, aber auch hohe Kaufpreise. Kassel hat rund 3,80 € weniger Miete pro Quadratmeter als Frankfurt, kostet beim Kauf aber auch weniger als die Hälfte. Marburg und Gießen sind kleine Hochschulmärkte mit eigener Nachfrage. Welche Mischung für Sie besser ist, zeigt erst die Rechnung mit Kaufpreis, Miete und Kosten.
04Regeln für Vermieter in Hessen
Hessen regelt Mietpreisbremse, Kappungsgrenze und Kündigungssperrfrist gemeinsam in der Mieterschutzverordnung. Die geltende Fassung stammt von 2020, wurde im November 2025 um ein Jahr verlängert und endet mit Ablauf des 25.11.2026.
| Regel | Was gilt | Stand |
|---|---|---|
| Mietpreisbremse | In 49 Gemeinden: neue Miete höchstens ortsübliche Vergleichsmiete plus 10 %, Ausnahmen u. a. für Neubau | bis 25.11.2026 |
| Kappungsgrenze | In 49 Gemeinden 15 % in drei Jahren, sonst 20 % | bis 25.11.2026 |
| Kündigungssperrfrist nach Umwandlung | 8 Jahre in denselben Gemeinden | bis 25.11.2026 |
| Neufassung (Entwurf) | 71 Gemeinden, laut Ministerium mit 6 Jahren Kündigungssperrfrist | Anhörung seit 24.09.2026, Kabinett voraussichtlich Mitte November 2026 |
| Umwandlungsverbot (§ 250 BauGB) | Landesverordnung lief Ende 2025 aus, keine Anschlussregel bekannt | DNotI-Übersicht, Stand 20.01.2026 |
| Grunderwerbsteuer | 6,0 % | seit 01.08.2014 |
Die Neufassung gibt den 71 Gemeinden zusätzlich Instrumente zur Baulandmobilisierung, etwa ein besonderes Vorkaufsrecht für brachliegende Grundstücke. Für Käufer einer einzelnen Wohnung ändert das wenig. Eine Landesförderung für den Kauf einer einzelnen vermieteten Bestandswohnung gibt es nicht. Die Wohnraumförderung über die WIBank richtet sich an Bauherren und Eigentümer, die Mietwohnungen schaffen und dafür Bindungen eingehen.
05Kaufnebenkosten in Hessen
Die Grunderwerbsteuer beträgt in Hessen seit August 2014 6,0 %. Das ist zusammen mit Berlin und Mecklenburg-Vorpommern die zweithöchste Stufe in Deutschland, nach den 6,5 % in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, dem Saarland und Schleswig-Holstein. Details stehen auf der Seite Grunderwerbsteuer in Hessen.
| Betrag | |
|---|---|
| Grunderwerbsteuer 6,0 % | 15.000 € |
| Notar und Grundbuch (rund 1,5 %, geschätzt) | 3.750 € |
| Makler 3,57 % Käuferanteil (falls beteiligt) | 8.925 € |
| Kaufnebenkosten mit Makler | 27.675 € |
| ohne Makler | 18.750 € |
Gut 27.000 € Nebenkosten bei 250.000 € Kaufpreis sind 11 %. Diese Summe zahlen Sie in der Regel aus Eigenkapital. Bei einer Frankfurter Wohnung mit 60 m² zum Durchschnittspreis von 5.670 €/m² läge allein die Grunderwerbsteuer bei rund 20.400 €. Wie Notar und Grundbuch abrechnen, erklärt der Ratgeber Notarkosten beim Immobilienkauf, Ihren Fall rechnet der Kaufnebenkosten-Rechner.
06Chancen und Risiken einer Kapitalanlage in Hessen
Der Arbeitsmarkt ist solide. Im September 2026 lag die Arbeitslosenquote in Hessen bei 5,9 %, bundesweit bei 6,4 %. In den großen Städten liegt sie höher: Frankfurt kam im selben Monat auf 7,1 %, Kassel auf 8,4 %. Frankfurt hat mit über 300.000 mehr Ein- als Auspendlern einen Arbeitsmarkt, der weit ins Umland reicht. Davon profitieren auch Mietmärkte in Offenbach, Hanau oder im Main-Taunus-Kreis.
Die Risiken liegen vor allem in den Preisen und in den Regeln. In Frankfurt und Umgebung ist eine Wohnung im Verhältnis zur Miete teuer, und die Mieterschutzverordnung begrenzt Erhöhungen. In Nordhessen sind die Preise niedriger, dafür der Leerstand höher und die Bevölkerung älter.
| Was für Hessen spricht | Was dagegen spricht |
|---|---|
| Zensusmiete 8,21 €/m², zweithöchster Wert der Flächenländer | Grunderwerbsteuer 6,0 % |
| Leerstand 3,8 %, in Rhein-Main rund 3 % | Werra-Meißner, Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder über 5 % |
| Arbeitslosenquote 5,9 % | Prognose −1,5 % Einwohner bis 2040 |
| Starker Arbeitsmarkt Frankfurt mit großem Einzugsgebiet | Hohe Kaufpreise in Frankfurt und Umland |
| Neufassung der Mietregeln soll nahtlos anschließen | Mietregeln Stand 13.10.2026 nur im Entwurf, Rechtsunsicherheit |
Hinzu kommen die Risiken jeder vermieteten Wohnung. Ein höherer Zins bei der Anschlussfinanzierung belastet die Rechnung. Sonderumlagen für Dach, Heizung oder Fassade treffen vor allem ältere Häuser. Und ein Mieterwechsel kostet Zeit und Geld, in Nordhessen meist mehr als in Rhein-Main.
- Sie in Rhein-Main Vermietbarkeit höher gewichten als laufenden Ertrag.
- Sie Hochschulstädte wie Marburg oder Gießen gezielt prüfen.
- Sie die Nebenkosten von rund 7,5 bis 11 % aus Eigenkapital zahlen können.
- Sie zehn Jahre und länger halten wollen.
- Sie eine Wohnung suchen, die sich ab dem ersten Jahr selbst trägt, und nur in Frankfurt kaufen wollen.
- Sie in Kreisen mit hohem Leerstand nur wegen niedriger Preise kaufen würden.
- Sie bei Mieterhöhungen keine rechtliche Unsicherheit tragen wollen.
- Ein Zinsanstieg Ihr Budget sprengen würde.
07Weitere Standorte
Städte in Hessen: Darmstadt · Frankfurt am Main · Kassel · Offenbach am Main · Wiesbaden
Nachbarländer: Nordrhein-Westfalen · Niedersachsen · Thüringen · Bayern · Baden-Württemberg · Rheinland-Pfalz
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Quellen
Alle Quellen abgerufen am 13.10.2026.
- Statistisches Bundesamt, Gemeindeverzeichnis, Gemeinden in Deutschland nach Fläche, Bevölkerung und Postleitzahl am 31.12.2025 und am 31.12.2024
- Statistisches Bundesamt, 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Bundesländer, Statistischer Bericht (11.12.2025), Tabelle 12421-b05
- Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Zensus 2022, Regionaltabelle Gebäude und Wohnungen (Stichtag 15.05.2022)
- Bundesagentur für Arbeit, Monatsbericht zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt, September 2026, Abbildung 1.14
- Hessisches Wirtschaftsministerium, Mieterschutz soll auf 71 Kommunen wachsen, 24.09.2026; Mieterschutzverordnung, GVBl. 2020 S. 802, geändert durch Verordnung vom 12.11.2025
- hessenschau.de, FAQ Mietpreisbremse, 24.09.2026
- Gutachterausschüsse Frankfurt am Main und Kassel: Kaufpreise siehe Kapitalanlage-Immobilien in Frankfurt und in Kassel; Arbeitslosenquoten Frankfurt und Kassel ebenda (Agenturen für Arbeit, September 2026)
- Deutsches Notarinstitut, Übersicht zu Umwandlungsverordnungen nach § 250 BauGB, Stand 20.01.2026
- BBSR, Raumordnungsprognose 2045: Bevölkerungsprognose, BBSR-Analysen KOMPAKT 04/2024
- WIBank, Wohnraumförderung
- § 556d BGB, § 558 BGB, § 577a BGB, § 250 BauGB
- Anteile, Vergleiche und Kaufnebenkosten: eigene Berechnung, Stand 13.10.2026
FAQHäufige Fragen
Lohnt sich eine Kapitalanlage-Immobilie in Hessen?
Das hängt von der Stadt ab. Rhein-Main bietet hohe Mieten und niedrigen Leerstand, aber auch hohe Kaufpreise und eine Grunderwerbsteuer von 6,0 %. In Kassel und Nordhessen sind die Preise deutlich niedriger, Leerstand und Risiko bei der Vermietung aber höher. Vergleichen Sie Kaufpreis und Miete Stadt für Stadt.
Gilt in Hessen die Mietpreisbremse?
Ja, derzeit in 49 Gemeinden der Mieterschutzverordnung, darunter Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Offenbach und Marburg. Die Verordnung endet mit Ablauf des 25.11.2026. Eine Neufassung für 71 Gemeinden soll laut Landesregierung Mitte November 2026 beschlossen werden. Stand 13.10.2026 ist sie noch ein Entwurf.
Was passiert am 25.11.2026?
An diesem Tag läuft die geltende Mieterschutzverordnung aus. Tritt die Neufassung rechtzeitig in Kraft, gelten Mietpreisbremse und 15 % Kappungsgrenze in 71 Gemeinden weiter. Andernfalls gilt ab 26.11.2026 überall in Hessen die Kappungsgrenze von 20 % und keine Mietpreisbremse, bis eine neue Verordnung verkündet ist.
Wie hoch ist die Grunderwerbsteuer in Hessen?
6,0 % des Kaufpreises, seit 01.08.2014. Mit Notar, Grundbuch und gegebenenfalls Makler kommen Sie auf rund 7,5 bis 11 % Kaufnebenkosten.
Wie hoch ist der Leerstand in Hessen?
Laut Zensus 2022 standen 3,8 % der Wohnungen in Wohngebäuden leer. In Marburg waren es 2,8 %, in Frankfurt 3,1 %, in Kassel 4,1 %. Im Werra-Meißner-Kreis lag der Wert bei 5,7 %.
Gibt es in Hessen ein Umwandlungsverbot?
Die hessische Umwandlungsverordnung nach § 250 BauGB galt laut Übersicht des Deutschen Notarinstituts bis 31.12.2025. Eine Anschlussregel ist dort nicht aufgeführt (Stand 20.01.2026). In den Gemeinden der Mieterschutzverordnung gilt aber eine Kündigungssperrfrist nach Umwandlung.
Ist Kassel eine Alternative zu Frankfurt?
Kassel ist günstiger: Gebrauchte Wohnungen kosteten 2025 im Schnitt 2.530 €/m² gegenüber rund 5.670 €/m² in Frankfurt (1. Halbjahr 2026). Die Zensusmiete lag mit 6,77 €/m² deutlich niedriger, der Leerstand mit 4,1 % höher. Eine Mietpreisbremse gilt in Kassel nicht. Ob sich das für Sie besser rechnet, zeigen unsere Städteseiten mit Beispielrechnung.